Franz Anton Schraembl : Koromandel / Südlicher Teil (1786)


Original grenzkolorierte Kupferstichkarte "Koromandel" aus DER ALLGEMEINE GROSSE SCHRÄMBLISCHE ATLASS, Blatt 101, verfasst von Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville, neu herausgegeben von Franz Anton Schraembl (1786). Südliches Blatt der zweiteiligen Karte.

Die großformatige Karte zeigt die Koromandelküste im Südosten Indiens zwischen dem See Pulicat im Norden und dem Mündungsdelta des Kaveri im Süden.

Koromandelküste wird die südöstliche Küste der indischen Halbinsel genannt. Allgemein wird angenommen, dass der Name von den tamilischen Worten Chola Mandal für "Region (mandalam) der Chola (eine historische südindische Dynastie)" abgeleitet ist. Historisch bezeichnet Koromandelküste die Küste zwischen Point Calmere (auch Cape Calimere oder Kodikkarai) in der Nähe des Flussdeltas der Kaveri nach Norden bis zur Mündung des Krishna. Heute teilen sich die Bundesstaaten Tamil Nadu, Andhra Pradesh und das Unionsterritorium Puducherry die Koromandelküste.
Die Küste ist insgesamt sehr flach und wird durch die Deltas mehrerer großer Flüsse unterbrochen, einschließlich der Kaveri, des Palar, des Penner und des Krishna, die in den Hochebenen der Westghats (auch Sahyadri) -Berge entspringen und durch das Dekkanplateau in den Golf von Bengalen fließen. Die Schwemmebenen dieser Flüsse sind fruchtbar und werden landwirtschaftlich genutzt. Die Küste ist auch für ihre Häfen in Pazhaverkadu (Pulicat), Chennai (Madras), Sadras, Puducherry (Pondichéry), Karaikal, Cuddalore, Tharangambadi (Trankebar), Nagore und Nagappattinam (Negapatam) bekannt, die aus ihrer Nähe zu Regionen mit reichen natürlichen und mineralischen Ressourcen wie dem Chhattisgarh-Gürtel und den Bergwerken von Golkonda und Kolar und/oder einer guten Transportinfrastruktur ziehen. (Wikipedia)

Die Karte vermittelt anschaulich, wie man Indien gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts gesehen hat. Geografische Angaben beschränken sich im wesentlichen auf die Küstenregion, die Flussläufe und die Handelsstraßen. Die "weißen Flecken" zeigen, dass viele Gebiete noch weitgehend unerforscht sind. Die Welt ist noch voller Geheimnisse.

Oben rechts Seitenangabe (N.101).

Titel "Koromandel / Verfasst Von Herrn D'Anville. / Neu Herausgegeben Von Herrn F. A. Schraembl / Zu finden im eigenen Verlage in Wien" unten rechts.

Darunter Maßstab in graph. Form ( Geographische oder deutsche Meilen, Seemeilen, Gemeine indianische Koss, Grosse Koss beilaufig, Malabarische Meilen oder 4 grosse Koss ).

Vgl.
DER VERLAG FRANZ ANTON SCHRÄMBL, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie eingereicht an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien von Ursula Kohlmaier, Wien, im Januar 2001
Johannes Dörflinger, The First Austrian World Atlases: Schrämbl and Reilly; In: Imago Mundi, Vol. 33. (1981), pp. 65-71.

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Anville, Jean Baptiste Bourguignon d' *1697-1782* ; Schraembl, Franz Anton *1751-1803*

Maßstab : [Ca. 1:790.000]

Erschienen: Wien : in eigenem Verlage, [vor 1800]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 50 x 48 cm

Größe des Blattes: 83 x 62 cm

Zustand : sehr gut (detailliert und informativ)

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Küstenausschnit - Nord - Süd

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Jean-Baptiste Bourguignon d'Anville (* 11. Juli 1697 in Paris; † 28. Januar 1782 in Paris) war französischer Geograph und der Reformator der alten und neuen Kartographie.

Bourguignon d'Anville widmete sich früh geographischen Studien, sodass er schon im 22. Jahr königlicher Geograph wurde, mit welcher Stelle er später die eines Privatsekretärs des Herzogs von Orleans verband. Seit 1775 mit dem Ehrenposten eines Adjunkts der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Paris bekleidet, starb er daselbst 28. Januar 1782.

Von seinen Karten (er gab deren 211 heraus) verdienen namentlich Erwähnung: der
- Atlas général (1737-80, 66 Blätter) und der
- Atlas antiquus major (12 Blätter), wozu die
- Géographie ancienne abrégée (1769, 3 Bde.) als Text gehört.

Ein Nachstich der letztgenannten Karten erschien zu Nürnberg als Handbuch der alten Erdbeschreibung, zum Gebrauch der elf größeren Danvillischen Landkarten. 3 Bände, Nürnberg 1796-1800.

Seine wertvolle Kartensammlung (aus 10.500 Nummern bestehend) wurde für die königliche Bibliothek Paris (die heutige Bibliothèque Nationale de France) angekauft.

(Wikipedia)

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Franz Anton Schrämbl ( * 1751in Wien + 1803 in Wien)

Als Franz Anton Schrämbl 1787 nach Wien kam und seinen Verlag gründete, fand er dort bereits eine konsolidierte und florierende Verlagslandschaft vor. Im Verlauf der vorangegangenen fünfzig Jahre hatten sich viele wirtschaftliche und geistesgeschichtliche Veränderungen ergeben und vor allem hatte sich das österreichische Buchhandels- und Verlagswesen vom deutschen emanzipiert. Mit nicht immer lauteren Mitteln hatten Verleger, Publikum und Staatlichkeit österreichische Produkte protegiert, und Schrämbl setzte diese Linie fort, indem er den Wunsch der Leserschaft nach den Werken der großen, vor allem deutschen, Schriftsteller befriedigte. Eine Vielzahl seiner Verlagsprodukte waren, wie damals nicht unüblich, Nachdrucke, was ihm viel Lob und noch mehr Kritik einbrachte.

Die größten Leistungen des Verlages waren aber der „Große Schrämblische Atlass“, der seinem Herausgeber Ruhm schenkte und ihn in den Konkurs trieb, und unter Schrämbls Nachfolgern die Reihenwerke der besten französischen und italienischen Autoren in Originalsprache, die dem wachsenden Interesse an europäischer Kultur und Literatur entsprachen.

Franz Anton Schrämbl selbst starb bereits 1803, weitergeführt wurde der Verlag von seiner Witwe Johanna mit der Hilfe ihres Bruders, des bekannten Kupferstechers Karl Robert Schindelmayer, und ab 1825 von ihrem Sohn Eduard Schrämbl. 1839 endete die Geschichte des Verlages und die der Familie, da alle sieben Kinder Johanna und Franz Anton Schrämbls kinderlos starben.

Der Verlag Schrämbl konnte unter den wirklich großen Verlagen seiner Zeit, wie Johann Thomas von Trattner, Vinzenz Degen, Rudolph Gräffer, Carl Gerold und später Johann Baptist Wallishausser, nicht herausragen, konnte sich aber mit seinem vielfältigen Programm, welches sich eher auf naturkundliche und wissenschaftliche als auf belletristische Werke spezialisierte, durchaus behaupten, und die Liste der Verlagswerke gibt einen interessanten und repräsentativen Einblick in das Schaffen des durchschnittlichen Verlegers des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

(Ursula Kohlmaier)