Franz Anton Schraembl : Guinea Zwischen Sierra-Leona und dem Aequator (1786)


Original grenzkolorierte Kupferstichkarte "Guinea Zwischen Sierra-Leona und dem Aequator" aus DER ALLGEMEINE GROSSE SCHRÄMBLISCHE ATLASS, Blatt 110, verfasst von Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville, verbessert und herausgegeben von Franz Anton Schraembl (1786).

Die großformatige Karte zeigt die Küste Westafrikas vom heutigen Sierra Leone im Westen bis Gabun im Osten. Im Zentrum das heutige Ghana.
Eine Insetkarte zeigt die Goldküste in vergrößertem Maßstab. Die Legende weist auf holländische, englische und dänische Befestigungen hin.

Goldküste (portugiesisch Costa do Ouro oder englisch Gold Coast) ist eine historische Bezeichnung für einen Küstenabschnitt in Westafrika, der sich weitgehend mit der Küste des heutigen Ghana deckt. Von den ersten europäischen Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein hielten sich für die gesamte sogenannte "(Ober-)Guineaküste", also das Gebiet etwa vom heutigen Liberia bis zum heutigen Nigeria, Bezeichnungen, die auf die Produkte hinwiesen, die die Europäer dort einzutauschen hofften. Von West nach Ost waren das die "Pfefferküste", die "Elfenbeinküste", die "Goldküste" und die "Sklavenküste". Die Bezeichnung Goldküste weist daraufhin, dass die Europäer an dieser Küste Gold eintauschen konnten, das aus den Fundstätten im Inneren des heutigen Ghana, dem Gebiet der Ashanti, an die Handelsorte an der Küste gebracht wurden. Die Bezeichnung hielt sich bis 1958 im Namen der britischen Kolonie Goldküste, die in diesem Jahr als "Ghana" unabhängig wurde. Der alte Name findet sich manchmal sogar heute noch auf Karten. (Wikipedia)

Die Karte vermittelt anschaulich, wie man Afrika gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts gesehen hat. Geografische Angaben beschränken sich im wesentlichen auf die Küstenregion, das Hinterland ist weitgehend unerforscht. Die Welt ist noch voller Geheimnisse.

Oben rechts Seitenangabe (N.110).

Oben mittig Titel "Guinea / Zwischen Sierra-Leona und dem Aequator / verfasst / von Herrn D'Anville / verbessert herausgegeben / von Herrn F. A. Schraembl / MDCCLXXXVI .".

Maßstab in graphischer Form (Gemeine französische Meilen, Französische und englische Seemeilen, Geographische oder deutsche Meilen) unten links.

Vgl.
DER VERLAG FRANZ ANTON SCHRÄMBL, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie eingereicht an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien von Ursula Kohlmaier, Wien, im Januar 2001
Johannes Dörflinger, The First Austrian World Atlases: Schrämbl and Reilly; In: Imago Mundi, Vol. 33. (1981), pp. 65-71.

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Anville, Jean Baptiste Bourguignon d' *1697-1782* ; Schraembl, Franz Anton *1751-1803*

Maßstab : [Ca. 1:4.100.000]

Erschienen: Wien : Joseph Philipp Schalbacher, 1786 [erschienen: 1800]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 66 x 30,5 cm

Größe des Blattes: 82 x 64 cm

Größe der Insetkarte : 24 x 14 cm

Zustand : sehr gut (detailliert und informativ)

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Ausschnitt Küste West Mitte Ost ------------------ Insetkarte Goldküste

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Jean-Baptiste Bourguignon d'Anville (* 11. Juli 1697 in Paris; † 28. Januar 1782 in Paris) war französischer Geograph und der Reformator der alten und neuen Kartographie.

Bourguignon d'Anville widmete sich früh geographischen Studien, sodass er schon im 22. Jahr königlicher Geograph wurde, mit welcher Stelle er später die eines Privatsekretärs des Herzogs von Orleans verband. Seit 1775 mit dem Ehrenposten eines Adjunkts der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Paris bekleidet, starb er daselbst 28. Januar 1782.

Von seinen Karten (er gab deren 211 heraus) verdienen namentlich Erwähnung: der
- Atlas général (1737-80, 66 Blätter) und der
- Atlas antiquus major (12 Blätter), wozu die
- Géographie ancienne abrégée (1769, 3 Bde.) als Text gehört.

Ein Nachstich der letztgenannten Karten erschien zu Nürnberg als Handbuch der alten Erdbeschreibung, zum Gebrauch der elf größeren Danvillischen Landkarten. 3 Bände, Nürnberg 1796-1800.

Seine wertvolle Kartensammlung (aus 10.500 Nummern bestehend) wurde für die königliche Bibliothek Paris (die heutige Bibliothèque Nationale de France) angekauft.

(Wikipedia)

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Franz Anton Schrämbl ( * 1751in Wien + 1803 in Wien)

Als Franz Anton Schrämbl 1787 nach Wien kam und seinen Verlag gründete, fand er dort bereits eine konsolidierte und florierende Verlagslandschaft vor. Im Verlauf der vorangegangenen fünfzig Jahre hatten sich viele wirtschaftliche und geistesgeschichtliche Veränderungen ergeben und vor allem hatte sich das österreichische Buchhandels- und Verlagswesen vom deutschen emanzipiert. Mit nicht immer lauteren Mitteln hatten Verleger, Publikum und Staatlichkeit österreichische Produkte protegiert, und Schrämbl setzte diese Linie fort, indem er den Wunsch der Leserschaft nach den Werken der großen, vor allem deutschen, Schriftsteller befriedigte. Eine Vielzahl seiner Verlagsprodukte waren, wie damals nicht unüblich, Nachdrucke, was ihm viel Lob und noch mehr Kritik einbrachte.

Die größten Leistungen des Verlages waren aber der „Große Schrämblische Atlass“, der seinem Herausgeber Ruhm schenkte und ihn in den Konkurs trieb, und unter Schrämbls Nachfolgern die Reihenwerke der besten französischen und italienischen Autoren in Originalsprache, die dem wachsenden Interesse an europäischer Kultur und Literatur entsprachen.

Franz Anton Schrämbl selbst starb bereits 1803, weitergeführt wurde der Verlag von seiner Witwe Johanna mit der Hilfe ihres Bruders, des bekannten Kupferstechers Karl Robert Schindelmayer, und ab 1825 von ihrem Sohn Eduard Schrämbl. 1839 endete die Geschichte des Verlages und die der Familie, da alle sieben Kinder Johanna und Franz Anton Schrämbls kinderlos starben.

Der Verlag Schrämbl konnte unter den wirklich großen Verlagen seiner Zeit, wie Johann Thomas von Trattner, Vinzenz Degen, Rudolph Gräffer, Carl Gerold und später Johann Baptist Wallishausser, nicht herausragen, konnte sich aber mit seinem vielfältigen Programm, welches sich eher auf naturkundliche und wissenschaftliche als auf belletristische Werke spezialisierte, durchaus behaupten, und die Liste der Verlagswerke gibt einen interessanten und repräsentativen Einblick in das Schaffen des durchschnittlichen Verlegers des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

(Ursula Kohlmaier)