Robert de Vaugondy, Didier : Terres Arctiques (1773)

 

Original Kupferstich von Didier Robert de Vaugondy aus dem Jahre 1773, erschienen in der Enzyklopädie, Anhang Karte 9, von Denis Diderot und Jean Le Rond d'Alembert.

Das Blatt gibt in vier Einzelkarten die Erkenntnisse der Zeit zwischen 1650 und 1747 über die Nordwestküste Amerikas wieder: Hudsonbai, Baffinbai, Labrador und Grönland

(1) Nach Sanson um 1650 : Selon Sanson en 1750 (18,5 x 14 cm)

(2) Nach Delisle um 1700 : Selon Delisle en 1700 (18,5 x 14 cm)

(3) Nach Delisle um 1703 : Selon Delisle en 1703 (18,5 x 14 cm)

(4) Nach Henri Ellis um 1747 : Carte de la Baye d'Hudson parcourue en 1746 et 1747 par Henri Ellis pour la recherche du passage par le Nord-Ouest (18,5 x 14 cm)

Die Karte ist im Zusammenhang damit zu sehen, Kenntnisse zu erlangen über den möglichen Verlauf einer Nordwestpassage bzw. Nordostpassage vom Atlantik in den Pazifik.

Seit der Kenntnis Indiens und der Südsee gehörte es zu den am meisten erstrebten Zielen westlicher seefahrender Nationen, eine kurze Zufahrt dorthin aufzufinden. Trotz der Fehlschläge, an der amerikanischen Ostküste oder durch nördliche Umsegelung des europäischen oder amerikanischen Kontinents eine Möglichkeit zur Durchfahrt zu gewinnen, wurden immer neue Versuche unternommen. Im Bereich der Gewässer zwischen Nordostasien und Nordamerika wurden hierbei während des 16.bis 18. Jahrhunderts bedeutende Fortschritte erzielt.

Die Nordwestpassage ist der zirka 5.780 km lange Seeweg, der nördlich von Amerika den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Er führt über das Nordpolarmeer und seine Randmeere sowie die dazugehörenden Meeresstraßen durch den kanadisch-arktischen Archipel. Seit Magellan 1520 einen Seeweg entdeckt hatte, der um Südamerika herum nach Asien führte, spekulierten Geographen, Seefahrer und Forscher über eine mögliche Route im Norden Amerikas. Da eine solche Nordwestpassage Schiffsreisen zwischen Europa und Ostasien entscheidend verkürzt hätte, suchten die seefahrenden Nationen mehr als 400 Jahre lang nach einer Durchfahrt im Nordpolarmeer.

Die Nordostpassage ist ein Seeweg im Nordpolarmeer entlang der Nordküsten Europas und Asiens, vom Weißen Meer bis zur Beringstraße. Die Nordostpassage ist rund 6.500 km lang.
Erste Erkundungen der Nordostpassage fanden im 16. Jahrhundert durch englische und holländische Seefahrer wie Barents statt, scheiterten jedoch im Packeis. Anfang des 17. Jahrhunderts gelangten russische Robbenjäger und Händler bis zum Kap Tscheljuskin; 1648 umsegelten Semjon Deschnjow und F. A. Popow die Tschuktschen-Halbinsel.
Andere sibirische Küstenabschnitte wurden ab 1733 im Verlauf der Zweiten Kamtschatkaexpedition von Vitus Bering erforscht.

Kopftitel über den Karten "Carte qui represente les differentes connoissances que l'on a eues des Terres Arctiques depuis 1650 jusqu'en 1747 ausquelles il faut comparer la Carte suivante Par M. De Vaugondy 1773".

Zählung oben rechts.

Vgl.
Lagarde, Lucie, Le Passage du Nord-Ouest et la Mer de l'Ouest dans la Cartographie française du 18e Siècle, Contribution à l'Etude de l'Oeuvre des Delisle et Buache. In: Imago Mundi, Vol. 41. (1989), pp. 19-43.
L. Breitfuss, Early Maps of North-Eastern Asia and of the Lands around the North Pacific. Controversy between G. F. Müller and N Delisle. In: Imago Mundi, Vol. 3. (1939), pp. 87-99.
Longenbaugh, Dee, From Anian to Alaschka: the mapping of Alaska to 1778. In: The Map Collector 29 (1984 Dec): pp. 28-32. Vollständiger Artikel

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Robert de Vaugondy, Didier ; Diderot ; d' Alembert

Maßstab :

Erschienen: [Paris], 1773

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 38 x 30 cm

Größe des Blattes: 47 x 40 cm

Zustand : gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Robert de Vaugondy, Gilles , (* 1688; † 1766), war ein französischer Kartograph.
Er erbte das kartographische Material seines Onkels P.M. Sanson, das er ausnutzte und durch den Ankauf des Nachlasses von Jaillot ergänzte. Er gab einen kleinen Atlas (1748) heraus und zusammen mit seinem Sohn Didier, (* 1726; † 1786), im Jahre 1752 einen großen Atlas.
(Leo Bagrow / R.A. Skelton)

Didier Robert de Vaugondy (* 1723 in Paris; † 1786) war Geograph des französischen Königs Ludwig XV. und des Herzogs von Lothringen, Beiträger zur Encyclopédie und königlicher Zensor.
Robert wurde 1723 in Paris geboren und lernte bei seinem Vater, dem königlichen Geographen Gilles Robert de Vaugondy (1688-1766). Als Neunzehnjähriger veröffentlichte er bereits eine Neuauflage der Tables méthodiques seines berühmten Urgroßvaters, dem „Vater der französischen Geographie“ Nicolas Sanson (1600-1667). Zusammen mit seinem Vater Gilles und weiteren Bearbeitern arbeitete er an der Géographie sacrée et histoire de l'Ancien et du Nouveau-Testament, die 1747 in Paris erschien. 1752 schuf er im Auftrag Ludwigs XV. einen Erd- und einen Himmelsglobus. Unter den in den folgenden Jahren geschaffenen kartographischen Arbeiten ragt der 1757 erschienene und gemeinsam mit seinem Vater herausgegebene Atlas universel heraus.
Zu dem im selben Jahr veröffentlichten siebten Band der Encyclopédie trug Robert insgesamt drei Artikel bei, von denen vor allem der Artikel Globe (dt. „Globus“) durch seine detaillierte und exakte Beschreibung der Globusherstellung erwähnenswert ist. Nach dem Skandal um d'Alemberts Artikel Geneve und dem Entzug des königlichen Privilegs zog sich Robert - wie auch eine Reihe anderer Autoren - von der Mitarbeit an der Encyclopédie zurück.
In den verbleibenden siebenundzwanzig Jahren seines Lebens schuf Robert weitere Werke zur Geographie und zahlreiche Karten, die er in seinem Geschäft am quai de l'Horloge in Paris verkaufte. Er schuf Karten für Montesquieus Esprit des lois, für Buffons Histoire naturelle und für Brosses Histoire des navigations aux termes australes. James Cook, der die für Brosses angefertigten Karten auf seine Reisen mitnahm, äußerte sich zufrieden über sie.
(Wikipedia)