Homann , Johann Baptist : Neu-vermehrte Post-Charte durch gantz Teutschland (1714)

 

Originaler Kupferstich von Johann Peter Nell, erschienen bei Johann Baptist Homann ab dem Jahre 1714.

Zur Datierung der Karte vgl. Sandler, S. 60 Nr. 107.

Die bahnbrechende Postroutenkarte von Johann Peter Nell erschien zuerst 1709 bei E.H.Friex in Brüssel, danach bei Homann. Sie bildet die Postrouten des gesamten Reiches als gerade Verbindungslinien zwischen den Orten mit Entfernungsangaben durch Querstriche ab, so dass die Karte zusammen mit gedruckten Zeittafeln eine Vorausplanung des Postverkehrs ermöglichte. Die Entfernung wird in Querstrichen angegeben: 1 Strich = 1 sogenannte " Post" = circa 2 deutsche Meilen = knapp 15km = 2 Stunden Fahrt.

Das Gebiet wird begrenzt durch Schleswig / Königsberg (N), Königsberg / Warschau / Krakau / Budapest (O), Venedig / Brescia / Lyon (S) und Paris / Calais (W).

Johann Peter Nell, geb. 1672 in Neuendorf bei Koblenz, geadelt 1709, gestorben 1743, war kaiserlicher Feldpostmeister und später Ober-Post-Verwalter in Prag. Die Karte hat er wesentlich anhand fremder Unterlagen/Berichte entworfen.
Die Karte beeinflusste die Kartenproduktion des 18. Jahrhunderts. In der überarbeiteten Version, die der Nürnberger Verleger Johann Baptist Homann 1714 herausbrachte, wird erstmals zwischen Fahr- und Reitpostkursen unterschieden. Dieser Maßgabe folgte auch der Frankfurter Fahrpostkommissar Franz Joseph Heger, dessen Postkurskarte von 1764 die Kartenproduktion des folgenden Jahrhunderts beeinflusste, auch wenn diese unter anderen Autorennamen erschienen. Seit den 1850er-Jahren wurden die Postkurse durch Eisenbahnkurse ergänzt – doch dies waren alles keine Straßenkarten.
Eigentliche Straßenkarten beginnen mit dem Typus der „strip maps“, wie sie zuerst 1675 John Ogilby für England entwarf. Sie verzeichneten den Verlauf der einzelnen Straße mit allen ihren topographischen Eigenheiten auf einem imaginären Streifen, im Prinzip in einer Art, wie sie erstmals durch Matthäus von Paris im 13. Jahrhundert bezeugt ist, doch sehr viel präziser und mit Rücksicht auf die Entwicklung der Vermessungstechnik. Die Postkurs- und Eisenbahnkarten blieben das ganze 19. Jahrhundert hindurch das wichtigste Orientierungsmittel bei Reisen. Straßenkarten im engeren Sinn wurden erst mit dem Aufstieg des Automobils und der systematischen Straßenpflasterung – also im 20. Jahrhundert – zur dominanten Form der Verkehrskarte.

Rechts unten Titelkartusche " Neu vermehrte Post-Charte durch gantz Teutschland nach Italien, Franckreich, Niederland, Preußen, Polen und Ungarn etc. Adiacentes / von Herrn Ioh. Peter Nell zu Damenacher d. Rom. Keÿs Ma. Rath und OberPostverwalter in Prag sowol anfangs inventirt als anjetzo viel vemehrt mit Fleis aber in Kupfer gebracht und verlegt von Iohann Baptist Homann in Nürnberg " mit Legende. Darunter Meilenanzeiger ( Milliaria Germanica communia, Milliaria Gallica seu Horae itineris).

Nebentitel über der Karte "Postarum Seu Veredariorum Stationes Per Germaniam Et Provincias Adiacentes".

Figürliche Kartusche oben links mit gekröntem Doppeladlerwappen und Dedikation "… Carolo Josepho S. R. Imp Comiti â Paar …“. Amoretten mit Chronogrammen „Marte Catenato trIbVIt DeVs otIa paCIs“ und „Renovata et aucta est haec Tabula anno, quo PaX GerManIae RastaDII PaCta Et SanCIta Est“.

Oben rechts Privileg "Cum Privilegio Sacrae Caesarae ut et Reg. Maj. Polon".

Sehr dekoratives Blatt.

Vgl.
SANDLER, C., Johann Baptista Homann, die Homännischen Erben, Matthaeus Seutter und ihre Landkarten. Beiträge zur Geschichte der Kartographie, S. 609 Nr. 140
Elias, Werner, Road Maps for Europe 's Early Post Routes 1630-1780. In: The Map Collector 16 (1981 Sep).
Diefenbacher / Heinz / Bach/ Bach-Damaskinos (Hrsg.), "auserlesene und allerneueste Landkarten". Der Verlag Homann in Nürnberg 1702-1848. Stadtarchiv Nürnberg. Stadtmuseum Fembohaus. Nürnberg 2002, S. 113
Markus Heinz, A Research Paper on the Copper-Plates of the Maps of J. B. Homann's First World Atlas (1707) and a Method for Identifying Different Copper-Plates of Identical-Looking Maps. In: Imago Mundi, Vol. 45. (1993), pp. 45-58
Markus Heinz, A Programme for Map Publishing: The Homann Firm in the Eighteenth Century. In: Imago Mundi, Vol. 49. (1997), pp. 104-115.

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Nell, Johann P. *1672-1743* ; Homann, Johann Baptist *1664-1724*

Maßstab : [Ca. 1:2.500.000]

Erschienen: Nürnberg, 1714

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 55,5 x 45 cm

Größe des Blattes: 62 x 53,5 cm

Zustand : sehr gut und dekorativ

 

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Ausschnitt Nordwest --------------------- Ausschnitt Nordost

Ausschnitt Südwest --------------------- Ausschnitt Südost

 

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Johann Baptist Homann (* 20. März 1664 in Oberkammlach, heute Teil von Kammlach im Landkreis Unterallgäu; † 1. Juli 1724 in Nürnberg) war ein deutscher Kartograph, Verleger und Kupferstecher.

Das Geburtsdatum von Johann Baptist Homann war lange Zeit nicht sicher zu ermitteln. Eine jüngst aufgefundene amtliche Bestätigung, die sein Vater eingeholt hatte, fand sich jüngst im Staatsarchiv Nürnberg. Damit ist das Geburtsdatum 20. März 1664 eindeutig belegt. Homann wurde zunächst in einer Jesuitenschule erzogen, trat aber dann zum Protestantismus über und wurde 1687 Notar in Nürnberg. Bald jedoch wandte er sich dem Kupfer- und Landkartenstich zu.

Im Jahr 1702 gründete er einen Handel und einen Verlag für Kartographie in Nürnberg, der zahlreiche Globen und Karten publizierte. Homann lieferte etwa 200 Karten, darunter den Großen Atlas über die ganze Welt in 126 Blättern (1716) und den Atlas methodicus (1719) in 18 Blättern. Bekannt wurde seine Phantasiekarte accurata tabulae utopiae vom Schlaraffenland nach der fiktiven Reisebeschreibung Johann Andreas Schnebelin. Daneben fertigte er auch Armillarsphären und andere mechanische Kunstwerke.

Homann unterbot die Preise der holländischen und französischen Verleger und wurde im Deutschland des 18. Jahrhunderts der bedeutendste Herausgeber von Landkarten und Atlanten. Seine Karten waren mit reichem künstlerischem Beiwerk sowie historischen und ethnographischen Abbildungen ausgestattet.

Im Jahr 1715 wurde Homann zum Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin gewählt und auch zum kaiserlichen Geographen am Hof Karls VI. ernannt.

Er arbeitete sehr eng mit dem schon damals bekannten Nürnberger Kupferstecher Christoph Weigel (1654-1725) zusammen.

Johann Baptist Homann starb am 1. Juli 1724. Sein Unternehmen ging auf seinen Sohn Johann Christoph Homann (1703-1730) über. Er setzte seine beiden Geschäftsführer, Johann Georg Ebersberger (oder Ebersperger) und Johann Michael Franz zu Erben der Handlung ein. Nach seinem Tod wurde das Unternehmen unter dem Namen „Homannsche Erben“ fortgeführt und erlosch erst 1848 mit dem Tod des letzten Besitzers Christoph Franz Fembo.

(Wikipedia)