Quad, Matthias / Bussemacher, Johann : Thietmarsiae, Holsaticae regiones partis typvs (1596)

 

Original Kupferstich nach Peter Boeckel, gestochen von Henricus Nagel, erschienen in Europae Totius Orbis Terrarum Partis Praestantissimae, Universalis et particularis descriptio von Matthias Quad, verlegt von Johann Bussemacher in Köln im Jahre 1596.

Zur Datierung vgl. Wiepen, S. 18

Das Blatt zeigt die alte Bauernrepublik Dithmarschen. Es handelt sich um eine der ältesten Karten Nordelbingens.

Die Karte ist nach Osten ausgerichtet, d.h. Osten ist oben. Im Mittelpunkt liegt Meldorf. Im Süden ist die Elbemündung mit einem Meeresungeheuer zu sehen. Die schraffierten Flächen ("Paludes") sind die charakteristischen Randmoore zwischen der waldreichen Geest und der waldlosen Marsch. Das Kirchspiel Büsum ist noch Insel. Besonders dort, wo das Meeresungeheuer sich herumtreibt, hat man in der Folgezeit viel Neuland gewonnen.

Oben rechts Titelkartusche "Thietmarsiae, Holsaticae regiones partis typvs / Auctore Petro Boeckel".

Oben links Meilenanzeiger (ein Dietmarsche meil , Miliare Thietm.).

Daneben Stechervermerk "Henricus Nagel fecit".

Hinweis auf den Kartografen in der Titelkartusche "Auctore Petro Boeckel".

Verlegeradresse unten rechts "Johann bussemecher exc. Col.Agr."

Auf der Rückseite erläuternder Text in lateinischer Sprache "Dietmarsia".

Vgl.
Wiepen, E., Matthias Quad von Kinckelbach und sein Buch ,Teutscher Nation Herligkeitt'. Ein Beitrag zur Kölner Gelehrten- und Kunstgeschichte. In: Rheinische Geschichtsblätter : Zeitschr. für Geschichte, Sprache u. Altertümer des Mittel- u. Niederrheins, Zweiter Jahrgang (1895-1896), No. 1, S. 10 - 27 weiter
Dreyer-Eimbcke, Oswald , Geschichte der Kartographie am Beispiel von Hamburg und Scheswig-Holstein. Oldenburg, Komregis, 2004, S. 96
Witt, Reimer, Die Anfänge von Kartographie und Topographie Schleswig-Holsteins 1475 - 1652, Heide in Holstein 1982, S. 39-49

Die vollständige Erstausgabe (1594) der Europae Totius Orbis Terrarum Partis Praestantissimae, Universalis et particularis descriptio findet man bei der Bibliothek der Universität von Sevilla in Spanien weiter

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Quad, Matthias *1557-1613* ; Bussemacher, Johann : Nagel, Henricus

Maßstab : [Ca. 1:200.000]

Erschienen: [Köln] : [Johann Bussemacher], [1596]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 18 x 26,5 cm

Größe des Blattes: 28 x 37 cm

Zustand : sehr gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Johann Bussemacher (1580-1613),

ein gelernter Kupferstecher aus Düsseldorf, ist um und nach 1600 der bedeutendste Kupferdrucker in Köln. Er hat in seiner Werkstatt eine Kupferpresse, um die in Auftrag gegebenen Kupferstiche darauf herzustellen.

Matthias Quad (1557-1613)

wurde in Deventer geboren. Sein Vater stammte aus Kinckelbach, weshalb er seine ersten Veröffentlichungen mit Matthias Quad von Kinckelbach zeichnete. Er erlernte nach einigen Wanderjahren das Kupferstecherhandwerk in Deventer. 1587 zog er nach Köln, um dort für die Offizin von Frans Hogenberg tätig zu werden; auch den Buch- und Kunstdrucker Johann Bussemacher lernte er hier kennen.
Er hat Bussemacher mit der Ausführung vieler seiner Arbeiten beauftragt. Dieser hat Quad die Anregung gegeben, einen kleinformatigen Handatlas nach dem niederländischen Vorbild der großformatigen Atlanten herzustellen. Der komplette Europaatlas erscheint 1594 im Verlag von Bussemacher. Den landeskundlichen Text der Karten auf der Rückseite hat Quad verfasst. 1600 erscheint das „Geographisch Handtbuch" von Quad ebenfalls bei Bussemacher in Köln. Es enthält 82 Karten mit meist lateinischem Titel, die Beschreibungen dazu sind auf der Vorder- und Rückseite in deutscher Sprache abgedruckt. Deshalb gilt das Werk als erster deutscher Atlas in Buchformat. 36 der 82 Karten sind von Quad selbst gestochen worden.

Aus religiösen Gründen mußte Quad 1604 Köln verlassen und arbeitete anschließend als Rektor an der Lateinschule in Weinheim a. d. Bergstraße und in Eppingen, wo er 1613 verstarb.