Willem Janszoon Blaeu : Ducatus Luneburgensis (1635)

 

Original Kupferstich von Johann Mellinger bei Willem Janszoon Blaeu aus dem Jahre 1635.

Zur Datierung vgl. Keuning Nr. 15. Die Karte erschien erstmals im Jahre 1630 im Appendix.

Die dekorative Landkarte in herrlichem Altkolorit zeigt das Fürstentum Lüneburg. Dargestellt ist das Gebiet zwischen Hamburg, Helmstedt, Minden und Bremen.

Der Cellische Leibarzt Mellinger hatte als erster das Fürstentum vermessen und 1593 das Ergebnis zunächst als Einblattdruck, dann ab 1630 in den Atlanten von Janssonius und Blaeu in Amsterdam publiziert.

Links oben manieristische Titelkartusche "Ducatus Luneburgensis Adiacentiumque regionum delineatio / Auctore Iohanne Mellingero" mit Grotesken und Girlanden.

Rechts oben manieristische Meilenzeigerkartusche (Milliaria Germanica communia, Milliaria Gallica communia).

Links unten Druckvermerk "Guiljelm. Blaeuw excudit."

Auf der Rückseite die Seite 11 der deutschen Ausgabe des Atlanten von Blaeu mit der Überschrift "Das Hertzogsthumb Lüneburg " mit hübschem Initial "D".

"Diesem Herzogtum mangelt es nirgendwo an Einwohnern; überall leben sehr viele Edelleute, Bürger und Bauern, die sich bequem in drei Ordnungen oder Stände einteilen lassen. Der erste Stand umfasst die Beamten und den Senat, der zweite die Landesvertreter und der dritte die Händler und Handwerker. "

Vgl.
Van der Krogt, Peter (Hrsg.): Atlas Maior - Germania, Austria et Helvetia, 2 vol., Taschen, Köln 2006, (Nachdruck eines Originalexemplars der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. S. 164 - 165
Johannes Keuning, Blaeu's „Atlas“; In: Imago Mundi, Vol. 14. (1959), pp. 74-89; hier S. 75, Nr. 15

Einen nahezu vollständigen Band I des Atlas Maior (1662) "Europa-Germania-Germania Inferior" von Joan Blaeu findet man online bei der Bibliothek der University of California, Los Angeles (UCLA) im JPG-Format (150 dpi) http://www.library.ucla.edu/yrl/reference/maps/blaeu/index.htm#

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Willem Janszoon Blaeu

Maßstab : [Ca. 1:480.000]

Erschienen: Amsterdami : Guiljelmus Blaeuw, 1635

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 47 x 36 cm

Größe des Blattes: 57 x 48 cm

Zustand : sehr gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Willem Janszoon Blaeu (* 1571 in Alkmaar, Niederlande; † 1638 in Amsterdam; auch: Willem Jansz, Guilielmus Janssonius, Willems Jans Zoon, Guilielmus oder G. Blaeu) war ein niederländischer Kartograph.

Blaeu wurde 1571 in Alkmaar geboren. Von 1594 bis 1596 lernte er die Astronomie und Kartographie bei Tycho Brahe. 1600 entdeckte er den veränderlichen Stern P Cygni. Um 1603 ließ er sich in Amsterdam nieder, wo er anfing, Erdgloben anzufertigen. Schon bald stellte er auch Land- und Seekarten her, darunter 1605 eine Weltkarte. Im Jahr 1633 ernannte ihn die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) zu ihrem offiziellen Kartographen. Er starb 1638 in Amsterdam.

Sein Sohn Joan Blaeu (1596–1673) setzte seinen Betrieb fort. Sein 1662 erstmalig erschienener elfbändiger Atlas Maior gehörte zu den aufwendigsten und teuersten europäischen Kartenwerken des 17. Jahrhunderts.

Nach der Vernichtung der Werkstatt im Amsterdamer Brand von 1672 und dem Tode Joan Blaeus im darauffolgenden Jahr wurde der von Willem Blaeu gegründete Verlag 1698 schließlich aufgelöst.

Willem Janszoon Blaeu ist nicht mit dem holländischen Seefahrer Willem Janszoon zu verwechseln, der zur selben Zeit lebte.

(Wikipedia)

 

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Der Kartograph und Arzt Johannes Mellinger (um 1538 – 1603) wurde in Halle an der Saale geboren. Er absolvierte ein Magisterstudium in Wittenberg, fand 1568 eine Anstellung als Kantor an der Weimarer Stadtschule und wurde im Folgejahr Rektor der Lateinschule in Jena. Wie viele Gelehrte seiner Zeit befasste sich Mellinger neben seiner beruflichen Tätigkeit mit der Kartographie. In seiner Weimarer Zeit entstand 1568 seine nachweislich früheste kartographische Arbeit, eine Darstellung des Thüringer Landes . Auch Ansichten der Städte Halle und Hildesheim in dem seit 1574 erschienenen Städteatlas von Braun und Hogenberg gehen auf ihn zurück, wobei diese Arbeiten, zumindest anfänglich, der Aufbesserung seines Lebensunterhalts dienten. 1572 begann Mellinger an der Universität Jena ein Medizinstudium. Er musste vermutlich als Folge eines Richtungsstreits in der protestantischen Kirche 1573 seine Stellung als Rektor aufgeben.

1578 trat Mellinger als Hofmedicus in die Dienste Herzog Wilhelm d. J. von Lüneburg, der zu jener Zeit die ersten Symptome von Depressionen zeigte. Bis zu seinem Tode im Jahre 1603 war Mellinger dann als Leibarzt am Hof in Celle tätig, nach dem Tode von Herzog Wilhelm im Jahr 1592 auch für dessen Nachfolger Ernst II. Hier schuf Mellinger sein kartographisches Hauptwerk, den Ämteratlas des Fürstentums Lüneburg-Celle , dessen erstes Exemplar 1590 entstand.