Blaeu: Capitania De Christianpries, y Danisch Woldt (1662)

 

Original Kupferstich von Johannes Mejer, gestochen von Andreas Lorenzen in Husum, erschienen bei Joan Blaeu 1662.

Johannes Mejer führte 1638 bis 1648 Kartierungen der Herzogtümer Schleswig und Holstein in Maßstäben zwischen 1:60.000 (Eiderstedt) und 1:375.0000 (Holstein) durch. 1652 erschienen die Karten in ""Newe Landesbeschreibung der zwey Herzogthümer Schleswich und Holstein"", auch bekannt als ""Danckwerth-Atlas"". Die Kupferplatten verkaufte 1657 die Witwe Danckwerths an die Firma Blaeu in Amsterdam. 1662 wurden viele Karten im ""Atlas Major"" nachgedruckt, wobei bis auf wenige Ausnahmen der Titel latinisiert wurde."
Zur Datierung vgl. Moreland, Bannister: Antique Maps, S. 108 sowie Keuning S. 87.

Die dekorative Landkarte in herrlichem Altkolorit zeigt die Halbinsel Dänischer Wohld zwischen Kieler Förde und Eckernförder Bucht in Schleswig-Holstein (Ganze Atlasseite).
In der Kieler Förde die Festung Christianspries.

In der Zeit des 30jährigen Krieges ließ der dänische König Christian IV. ab 1632 eine Festung an der engsten Stelle der Kieler Förde anlegen, um durch diese Kiel und damit den Süden seines Reiches während des Dreißigjährigen Krieges gegen die Schweden zu sichern. Die Festung wurde Festung Christianspries benannt.
Im Dezember 1643, mit Beginn des Torstenssonkriegs wurde die Festung von schwedischen Truppen erobert und bis zur Beendigung des Krieges mit dem Frieden von Brömsebro 1645 besetzt gehalten.
1648 wurde die Festung durch den dänischen König Friedrich III., Sohn und Nachfolger von Christian IV., geschliffen.
Ab 1663 wurde die Festung durch Friedrich III. durch Henrik Ruse neu erbaut und in Festung Friedrichsort (bzw. Friedrichspries) umbenannt, um erneut die Kieler Förde gegen schwedische Schiffe zu sichern.

Über der Karte Kopftitel "Capitania De Christianpries, y Danisch Woldt".

Oben rechts Titelkartusche "Sylva Danica Vulgo Daenischen Walde" mit Meilenanzeiger (Dimidium Milliaria Germanicum).

Auf der Rückseite die Seite xlviij der spanischen Ausgabe des Atlanten von Blaeu mit der Überschrift "Christianpries, y Danisch Woldt " mit hübschem Initial "L".

"Der Dänische Wohld hat seinen Namen von den Dänen erhalten, deren Lehen er ist. Früher bedeckte er ein großes Gebiet, von dem heute nur noch ein kleiner Teil übrig ist, den man schnelle Mark nennt. Diese Region ist 2,5 Meilen lang, doch nur 1,5 Meilen breit. Im Osten wird sie durch die Ostsee und die Kieler Bucht begrenzt, im Süden durch die Levensau und einen Teil der Eider, im Westen durch den Kreis Hutterharde und im Norden durch die Eckernförder Bucht. Die Einwohner bedienen sich der sächsischen Sprache."

Vgl.
Van der Krogt, Peter (Hrsg.): Atlas Maior - Germania, Austria et Helvetia, 2 vol., Taschen, Köln 2006, (Nachdruck eines Originalexemplars der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. S. 152
Dreyer-Eimbcke, Oswald, 400 Jahre Johannes Mejer (1606-1674). Der grosse Kartograph aus Husum, Oldenburg: Komregis Verlg. 2006
Johannes Keuning, Blaeu's „Atlas“; In: Imago Mundi, Vol. 14. (1959), pp. 74-89
Dreyer-Eimbcke, Oswald , Geschichte der Kartographie am Beispiel von Hamburg und Scheswig-Holstein. Oldenburg, Komregis, 2004

Einen nahezu vollständigen Band I des Atlas Maior (1662) "Europa-Germania-Germania Inferior" von Joan Blaeu findet man online bei der Bibliothek der University of California, Los Angeles (UCLA) im JPG-Format (150 dpi) http://www.library.ucla.edu/yrl/reference/maps/blaeu/index.htm#

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Blaeu, Joan *1596-1673* ; Mejer, Johannes ; Andreas Lorenzen

Maßstab : [Ca. 1:100.000]

Erschienen: [Amsterdam] : [Joannes Blaeu], [1662]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 29 x 23 cm

Größe des Blattes: 33 x 41 cm

Zustand : sehr gut (ganze Atlasseite)

 

 

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Willem Janszoon Blaeu (* 1571 in Alkmaar, Niederlande; † 1638 in Amsterdam; auch: Willem Jansz, Guilielmus Janssonius, Willems Jans Zoon, Guilielmus oder G. Blaeu) war ein niederländischer Kartograph.

Blaeu wurde 1571 in Alkmaar geboren. Von 1594 bis 1596 lernte er die Astronomie und Kartographie bei Tycho Brahe. 1600 entdeckte er den veränderlichen Stern P Cygni. Um 1603 ließ er sich in Amsterdam nieder, wo er anfing, Erdgloben anzufertigen. Schon bald stellte er auch Land- und Seekarten her, darunter 1605 eine Weltkarte. Im Jahr 1633 ernannte ihn die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) zu ihrem offiziellen Kartographen. Er starb 1638 in Amsterdam.

Sein Sohn Joan Blaeu (1596–1673) setzte seinen Betrieb fort. Sein 1662 erstmalig erschienener elfbändiger Atlas Maior gehörte zu den aufwendigsten und teuersten europäischen Kartenwerken des 17. Jahrhunderts.

Nach der Vernichtung der Werkstatt im Amsterdamer Brand von 1672 und dem Tode Joan Blaeus im darauffolgenden Jahr wurde der von Willem Blaeu gegründete Verlag 1698 schließlich aufgelöst.

Willem Janszoon Blaeu ist nicht mit dem holländischen Seefahrer Willem Janszoon zu verwechseln, der zur selben Zeit lebte.

(Wikipedia)

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Johannes Mejer (* 1606 in Husum; † 1674) war ein schleswigscher Kartograph.

Mejer studierte in Kopenhagen. In der Universität lernte er die Grundlagen der dort seit Tycho Brahe gepflegten Kartografie kennen. Nach Husum um 1629 zurückgekehrt, betätigte sich Johannes Mejer als Lehrer, Gelegenheitsdichter, Kalendermacher und Kartograph. 1635 und 1636 war Mejer für den Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf tätig. Mit seiner Unterstützung machte er 1637 eine Studienreise nach Holland. In seinem Auftrag stellte Mejer im Jahr 1641 einen Atlas des Amtes Apenrade fertig. Unterstützung bekam er vom Apenrader Amtsverwalter Joachim Danckwerth. Erfolgreich meisterten Mejer die Aufgabe, die Schlei mit ihren Heringszäunen zu kartieren. Zwei Exemplare des Schlei-Atlas mit 40 bzw. 43 Karten sind überliefert. Eines befindet sich im Landesarchiv Schleswig-Holstein, das andere in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen. 1639 zeichnete Johannes Mejer die wohl älteste brauchbare Karte der Insel Helgoland Nova Tabula Helgolandia. 1647 veranlasste König Christian IV., Johannes Mejer zum königlichen Mathematiker zu ernennen. Der dänische König beauftragte Mejer, zunächst die Westküste von Schleswig-Holstein aufzunehmen. 1652 erschien Caspar Danckwerths Neue Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig und Holstein mit 40 Karten und Stadtgrundrissen von Mejer. Vorbild für Danckwerths Landbeschreibung war der 1645 veröffentlichte Novus Atlas des Willem Janszoon Blaeu. - Die meisten Karten von Mejer wurden von den Brüdern Mathias und Nicolaus Petersen künstlerisch ausgestaltet und von den Brüdern Andreas und Christian Lorenzen - genannt Rodtgießer - in Kupferplatten gestochen.

Mejer fühlte sich zeitlebens dem großen dänischen Astronom Tycho Brahe verpflichtet. Dessen Weltbild hatte er sich zueigen gemacht und 1651 eine Darstellung davon in Kupfer stechen lassen. Johannes Mejer starb 1674. Der Nachlass von Mejer wird in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen aufbewahrt. Die Karten der Herzogtümer Schleswig und Holstein von Mejer dienten noch Jahrzehnte namhaften Kartographen und Verlegern (Janssonius, Visscher, Schenk, Homann, Seutter, Lotter und anderen) als Basis. Die Witwe Danckwerths hatte die Kupferplatten im Jahre 1657 an den Verleger holländischen Verleger Joan Blaeu verkauft.

(Wikipedia)