Ortelius : Turingia / Thüringen (1603)

 

Original Kupferstich aus dem "Theatrum Orbis Terrarum" von Abraham Ortelius aus dem Jahre 1603. Die Karte stammt von Johannes Mellinger.

Zur Datierung vgl. Marcel van den Broecke Nr. 96A / 1603L58 - lateinische Ausgabe.

Dekorative, ost-orientierte Karte von Thüringen mit der Region zwischen Mansfeld, Merseburg, Saalfeld, Schmalkalden und Mühlhausen mit der Stadt Erfurt in der Mitte.

Unten links schöne Renaissance-Kartusche mit dem Kartentitel "Turingiae Noviss[ima] Descript[io] / per Iohannem Mellinger Halens.".

Meilenanzeiger unten rechts (Scala miliarium Germanicorum). Darüber Vermerk des Privilegs "Cum Privilegio".

Lateinischer Text verso mit zwei hübschen Initialen "H".

Vgl.
Marcel van den Broecke Nr. 96A / 1603L58 - lateinische Ausgabe. Von diesem Blatt wurden nur 300 Exemplare gefertigt!
MEURER, PETER H., Fontes cartographici Orteliani, das Theatrum orbis terrarum von Abraham Ortelius und seine Kartenquellen. Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss. Weinheim 1991.

Die vollständige Erstausgabe (1570) des Theatrum Orbis Terrarum von Abraham Ortelius findet man bei der Library of Congress (Washington  D.C.)
http://lcweb2.loc.gov/ammem/gmdhtml/gnrlort.html

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Ortelius, Abraham; Mellinger, Johann

Maßstab : [Ca. 1:520.000]

Erschienen: Antverpiae : 1603

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 20 x 28 cm

Größe des Blattes: 25 x 35 cm

Zustand : gut

 

 

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Abraham Ortelius - 1528-1598

Abraham Ortel, besser unter dem Namen Abraham Ortelius bekannt, veröffentlichte den ersten Weltatlas, den Theatrum Orbis Terrarum. Er war ein riesiger Erfolg.

Abraham Ortelius wurde in Antwerpen geboren. Ortelius war die lateinische Version seines richtigen Namens Ortel. Ortelius, beziehungsweise Ortel hatte Griechisch, Latein und Mathematik studiert. In Antwerpen etablierte er sich bald als Buchhändler und Kartograph. Sein grosser Erfolg wurde der Theatrum Orbis Terrarum. Dies war vermutlich die erste Sammlung von Landkarten in Buchform - 20 Jahre bevor Mercator seinen Weltatlas herausgab. Im Jahr 1570, als die erste Ausgabe von Theatrum Orbis Terrarum erschien, war das Wort Atlas noch nicht in Gebrauch. Der Grafiker für den Atlas war übrigens Frans Hogenberg.
Der Theatrum Orbis Terrarum war so erfolgreich, dass er allein im ersten Jahr des Erscheinens 4 mal neu aufgelegt werden musste. Insgesamt wurde der Atlas zwischen 1570 und 1612 in 42 Ausgaben und in 7 Sprachen veröffentlicht - Latein, deutsch, höllandisch, französisch, spanisch, englisch und italienisch. Ein enormer Erfolg für einen Kartographen des 16. Jahrhunderts ! Abraham Ortelius war auch der erste, der die Referenzen für seine Landkarten angab indem er den Kartographen erwähnte. Das Verlegen von Landkarten war damals im grossen und ganzen ein dreistes gegenseitiges Kopieren.

Die späteren Ausgaben nach 1598 wurden von Jan Baptiste Vrients verlegt. Er hatte die Rechte nach dem Tod von Abraham Ortelius von dessen Erben erworben.

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Der Kartograph und Arzt Johannes Mellinger (um 1538 – 1603) wurde in Halle an der Saale geboren. Er absolvierte ein Magisterstudium in Wittenberg, fand 1568 eine Anstellung als Kantor an der Weimarer Stadtschule und wurde im Folgejahr Rektor der Lateinschule in Jena. Wie viele Gelehrte seiner Zeit befasste sich Mellinger neben seiner beruflichen Tätigkeit mit der Kartographie. In seiner Weimarer Zeit entstand 1568 seine nachweislich früheste kartographische Arbeit, eine Darstellung des Thüringer Landes. Auch Ansichten der Städte Halle und Hildesheim in dem seit 1574 erschienenen Städteatlas von Braun und Hogenberg gehen auf ihn zurück, wobei diese Arbeiten, zumindest anfänglich, der Aufbesserung seines Lebensunterhalts dienten. 1572 begann Mellinger an der Universität Jena ein Medizinstudium. Er musste vermutlich als Folge eines Richtungsstreits in der protestantischen Kirche 1573 seine Stellung als Rektor aufgeben.

1578 trat Mellinger als Hofmedicus in die Dienste Herzog Wilhelm d. J. von Lüneburg, der zu jener Zeit die ersten Symptome von Depressionen zeigte. Bis zu seinem Tode im Jahre 1603 war Mellinger dann als Leibarzt am Hof in Celle tätig, nach dem Tode von Herzog Wilhelm im Jahr 1592 auch für dessen Nachfolger Ernst II. Hier schuf Mellinger sein kartographisches Hauptwerk, den Ämteratlas des Fürstentums Lüneburg-Celle, dessen erstes Exemplar 1590 entstand.