Cóvens & Mortier : Land-Charte Des Chur-Fürstenthums Brandenburg (um 1730)

 

Original Kupferstich von Jacob Paul Freiherr von Gundling, gestochen von Georg Paul Busch, verlegt bei Johannes Cóvens und Corneille Mortier in Amsterdam um 1730.

Die berühmte Brandenburg-Karte des Berliner Akademiepräsidenten Gundling zeigt Brandenburg mit angrenzenden Gebieten. Das dargestellte Gebiet wird begrenzt durch Dömitz / Hitzacker (NW), Dramburg / Drahem (NO), Glogau (SO) und Torgau / Dessau / Magdeburg (SW). Im Zentrum Berlin.

Gundling war, um die bisher vorliegenden Brandenburg-Karten zu verbessern, selbst im Lande umhergereist, und er hat die Lage der Ortschaften und der Wasserläufe richtiger angegeben, als dies bisher der Fall war, auch die Orte nach ihrer Größe unterschieden, aber das Topographische wurde nur sehr wenig berücksichtigt. Neu hinzugefügt sind von ihm die Poststraßen.

Unten links figürliche Titelkartusche mit dem großen brandenburg-preußischen Staatswappen "Land-Charte Des Chur-Fürstenthums | Brandenburg. | Amsterdam, | Bey Johannes Cóvens und Cornelius Mortier.".

Darunter Meilenanzeiger (Gemeine Meilen, Grosse Meilen).

Am oberen Kartenrand Kopftitel "Nova Electoratus Brandenburgici Tabula, Edita Per I. P. Fr. von Gundling.".

Rechts unten eine vom preußischen Adler bekrönte Erklärungskartusche.

Darunter der Stechervermerk "G. P. Busch Sculpsit".

Vgl.
Marco van Egmond, The Secrets of a Long Life: The Dutch Firm of Covens & Mortier (1685-1866) and Their Copper Plates. In Imago Mundi, Vol. 54, 2002 (2002), S. 67-86

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Gundling, Jakob P. von ; Busch, Georg Paul *-1756* ; Cóvens, Johannes ; Mortier, Corneille

Maßstab : [Ca. 1:540.000]

Erschienen: Amsterdam : Johannes Cóvens und Cornelius Mortier, [ca. 1730]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 60,8 x 49,7 cm

Größe des Blattes: 67,8 x 55,8 cm

Zustand : sehr gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Ausschnitt Nordwest ---- Ausschnitt Nordost

Ausschnitt Südwest ---- Ausschnitt Südost

 

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Pieter (Pierre) Mortier (1661 - 1711) , Kartenverleger in Amsterdam

Über Mortiers Herkunft und Alter besteht keine Gewißheit. Seit 1685 war er als Graveur und Kartenhändler in Amsterdam "op de Vijgendam" tätig. 1690 wurde ihm die Genehmigung erteilt, Karten der Franzosen Sanson und Jaillot herauszugeben. 1693 erhielt er das Privileg für einen "Seeatlas über die ganze Welt", der eine erweiterte und verbesserte Ausgabe des "Neptune francois" darstellte. Er brachte ferner den Kriegsatlas von de Fer und den Atlas nouveau von de Wit (1702 und 1703) in Neuauflagen heraus. 1705 erschien ein "Atlas antiquus" in 3 Teilen mit 89 Karten, "so er aus anderen gesammelet, und alle selbst gestochen". So Zedler, der dazu bemerkt, dass der berühmte Johann Clerc die Karten in Ordnung gebracht und über 2000 Fehler darin geändert habe. 1706 übernahm er die Offizin de Wits.
Sein Unternehmen bestand nach 1730 unter der Firma Covens und Mortier fort.

(Hans Harms)

Jean (Johannes) Covens und Corneille (Cornelius) Mortier waren Schwager, die das 1685 von Pierre Mortier in Amsterdam begründete Verlagshaus weiterführten und es Covens & Mortier nannten.
Als Pierre Mortier 1711 verstarb, führte seine Witwe die Geschäfte weiter, bis auch sie 1719 verstarb. Corneille Mortier erbte als Sohn das Unternehmen. 1721 begründete er mit Jean Covens eine Partnerschaft, nachdem dieser seine Schwester, Agatha Mortier, geheiratet hatte. Im gleichen Jahr erwarben Covens & Mortier das niederländische Verlagshaus de Wit.
Covens & Mortier trugen viel zum Erfolg der französischen Verleger und der Verlagerung der Kartenherstellung Anfang des 18. Jahrhunderts von den Niederlanden nach Frankreich bei. Covens & Mortier verlegten Werke von Nicolas Sanson (1600-1667), Alexis-Hubert Jaillot (1632-1712) und Guillaume de l'Isle (1675-1726), aber auch späten niederländischen Meisterkartographen, wie Frederik De Wit und Hugo Allard (1620-1684), und natürlich Pierre Mortier selbst.

(Wikipedia)

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Jakob Paul Freiherr von Gundling
* 19.8.1673 in Hersbruck +11.4.1731 in Potsdam

Jakob Paul Gundling (1724 in den Freiherrnstand erhoben) wurde 1673 als Sohn eines Nürnberger Pfarrers in Hersbruck in Mittelfranken geboren. Er studierte an verschiedenen deutschen Universitäten Rechtswissenschaften und begleitete einen jungen Adeligen auf dessen Grand tour. Mit juristisch-historischem Fachwissen und praktischer Weltgewandtheit gleichermaßen ausgestattet, empfahl er sich für eine Anstellung als Lehrer an der neugegründeten Berliner Ritterakademie, auf der adelige Nachwuchs standesgemäß und exklusiv Erziehung und Unterricht erhielt, um ihn auf den Dienst in Heer, Verwaltung und bei Hof vorzubereiten. Gundling wurde im Gründungsjahr 1705 Professor für bürgerliches Rechts, Geschichte und Literatur. Außerdem bekleidete er den Posten eines Historicus am für Standes- und Verwandschaftsfragen zuständigen Heroldsamt. Nach dem Regierungsantritt des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., der bereits 1713 die Ritterakademie wieder auflöste, fielen Gundlings Ämter dem eisernen Sparkurs des neuen Königs zum Opfer. Er fand eine neue Funktion, als seine Leut- und Trinkseligkeit ihn Friedrich Wilhelm als geeignete Ergänzung seines Tabakskollegiums empfahl. Ursprünglich wollte der König den von Soldaten beherrschten Kreis um einen zu sachkundigen Urteilen fähigen Gelehrten erweitern, aber Gundlings Rolle scheint schon bald eher die eines gelehrten Hofnarren gewesen zu sein. Folgt man den zumeist von seinen Gegnern stammenden Berichten, so trieben ihn Spott und Häme der derben Hofgesellschaft 1716 zu einer Flucht nach Breslau, wurde aber durch Drohungen und Versprechungen zur Rückkehr bewegt. Danach scheint er vorübergehend ein einflussreicher Ratgeber des Königs gewesen zu sein, was nicht recht in den Tenor der Berichte über ihn passt. Weiter wird berichtet, dass er immer weiter mit nutzlosen und lächerlichen Titeln überhäuft wurde und bis zu seinem Tode 1731 Zielscheibe des allgemeinen Spottes blieb. Angeblich soll er in einem Weinfass beerdigt worden sein.

Gundling hat umfangreiche historische und juristische Werke verfasst, von denen die über brandenburgische Geschichte und Geographie einiges an wertvollen Informationen bieten. Zu seiner damals stark beachteten Beschreibung der Mark Brandenburg entwarf er auch die hier vorliegende Landkarte.