Münster , Sebastian : Schöne Gesamtansicht der Stadt Koblenz (1578)

 

Original Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus der " Cosmographey" von Sebastian Münster, verlegt bei Sebastianus Henricpetri (ca. 1578). Die Vorlage zu dieser Ansicht stammt möglicherweise von dem Trierer Arzt Simon Rischwin.

Schöne Gesamtansicht der Stadt Koblenz aus der Vogelschau. Blick von Norden auf die Stadt und die Festung Ehrenbreitstein. Links der Rhein, von rechts mündet die Mosel in weiter Windung in den Rhein.

In der Mündung ein schönes Beispiel für das "Treideln": Knechte zogen an langen Seilen, die an einem Mast am Vorschiff befestigt waren, die Schiffe stromaufwärts. Teilweise wurden die Schiffe auch mit langen Stangen gestakt. Durch die Trägheit des Flusses reichten vielfach 7 bis 10 Mann oder 1 Pferd für Ladungen von 10 bis 15 Tonnen.

Der Kopftitel über der Abbildung " Der Statt Cobolentz am Rhein und an der Mosel gelegen, ware contrafehtung sampt umbligender landschafft " .

In Schriftband am Himmel die Widmung "Iohan. Ex Com Ab Isenburg Arch Trevir. Princeps Elector An 1549". Mittig das Wappen des Erzbischofs Kurfürst Johann von Isenburg.

Unten rechts in der Abbildung das Monogramm "RMD" = Hans Rudolf Manuel Deutsch.

Mit rückseitigem Text in deutscher Sprache "Die Statt Cobolentz ...".

Deutsche Fassung nach Cosmographey, Basel 1550, S.610, nach Meurer.

"Cobolentz.
Zu latein nent man dise statt Confluentiam oder Confluentes, das ist, ein zusammen fliessung. Dann die Mosel unnd der Rhein kommen do zusammen. Es ist auch der alten stett eine, wie dann die alten sich des geflissen haben, daß sie namhafftige stett haben gesetzt an die örter, do zwei wässer zusammen fliessen, wie das schein ist bey Basel, Straßburg, Mentz, Ulm. Es ist der bischoff von Trier herr über Cobolentz, unnd ghat ein steine brugk über die Mosel, ist fast ein lustig wesen umb dise statt. Es wöllen etliche daß Ptolemeus die Mosel hab genent Obricam, aber es will die gelegenheit sich nitt gar zutragen. Es mag mer auff die Nah so bey Bingen in Rhein laufft gezogen werden. Es schreibt der hochgelert Doctor Simon Richwin von diser statt unnd Iren inwonern also. Es seind die ynwoner diser statt gar naßwitzig und eins verstendigen unnd klugen gemüts. Es wachßt wein ein wenig ob Cobolentz der ist dar gut, und besunder der zu Horgheim und zu Laustem [!, soll heißen: Lanstein] wachßt. Es tregt der boden auch gern umb Cobolentz, aber enge halb mag nit vil zwischen den bergen wachsen. Aber under Cobolentz gegen Andernach zu, auf dem Engerßbaüw, wachßt wein und korn gnug. Es seind zu Cobolentz die fisch teüwer, onangesehen das do zwei herrliche wässer zusammen kommen, außgenommen die salmen, die seind etwas wolfeiler do. "

Vgl.
Meurer, Peter H: Der kurtrierische Beitrag zum Kosmographie-Projekt Sebastian Münsters. In: Kurtrierisches Jahrbuch. - 35 (1995), S. 189-225
Hantzsch, Viktor: Sebastian Münster – Leben, Werk, wissenschaftliche Bedeutung . Leipzig 1898 PDF
Fritz Hellwig und Kristine Werner: Mittelrhein und Moselland im Bild alter Karten. Katalog zur Ausstellung des Landeshauptarchivs Koblenz 1985. Koblenz, Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 1985, Nr. 9
Stadt Ingelheim (Hrg.): Sebastian Münster. Katalog zur Ausstellung aus Anlaß des 500. Geburtstages am 20. Januar 1988 im Museum – Altes Rathaus Ingelheim am Rhein. 
Karol Buczek, Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der "Kosmographie" von Sebastian Münster; In: Imago Mundi, Vol. 1. (1935), pp. 35-40
Harold L. Ruland, A Survey of the Double-Page Maps in Thirty-Five Editions of the "Comographia Universalis" 1544-1628 of Sebastian Münster and in His Editions of Ptolemy's "Geographia" 1540-1552, Imago Mundi, Vol. 16. (1962), pp. 84-97.

Eine vollständige Ausgabe (1552) der Cosmographie von Sebastian Münster findet man bei der Biblioteca Nacional Digital (Portugal) im JPG- und PDF-Format
http://purl.pt/13845 . (Siehe dort S. 498 - 499)
Eine vollständige, digitalisierte Ausgabe (deutsch - 1550) der Cosmographei von Sebastian Münster findet man beim Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Köln

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Münster, Sebastian ; Henricpetri, Sebastian ; Manuel, Hans Rudolf *1525-1571*

Maßstab :

Erschienen: [Basel] : [Sebastianus Henricpetri], [1578]

Anmerkungen : Original Holzschnitt

Größe der Abbildung : 1 Ansicht : Holzschnitt ; 43 x 36 cm

Größe des Blattes: 36,5 x 21,5 cm

Zustand : gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Sebastian Münster wurde am 20. Januar 1488 in Ingelheim am Rhein geboren; als sein Vater wird Andreas (Endres) Münster genannt, damals Spitalmeister des dortigen Heiliggeist-Spitals. Nach dem Studium an der Ordenshochschule der Franziskaner in Heidelberg trat er 1505 mit 17 Jahren dem Franziskanerorden bei. Die Ordensoberen schickten den außergewöhnlich sprachbegabten Studenten 1507 zunächst nach Löwen und Freiburg im Breisgau . Während des etwa einjährigen Studienaufenthalts in Freiburg begeisterte ihn sein Lehrer Gregor Reisch , Prior der dortigen Kartause, vor allem für Hebräisch und Geographie . 1509 ging Münster nach Rouffach , wo er Schüler von Konrad Pelikan wurde und sich in Griechisch, Hebräisch, Mathematik , Astronomie und Geographie weiterbildete. Dabei studierte er die Naturwissenschaften bereits nach der Enzyklopädie Margarita Philosophica des Gregor Reisch. Auch die Lektüre „De chorographia“ von Pomponius Mela (1. Jahrhundert) beeinflusste Münster nachhaltig. 1511 folgte er seinem Lehrmeister Pelikan an die Universität Basel und später nach Pforzheim, wo er 1512 zum Priester geweiht wurde. Münster und Pelikan erweiterten ihre Studien auf andere semitische Sprachen, vor allem auf das Aramäische und das Äthiopische . Von 1514 bis 1518 war Münster als Lektor an der Ordenshochschule der Franziskaner in Tübingen tätig, wo er auch seine astrologischen Studien bei dem berühmten Astronom Johannes Stöffler , "Vater der Wissenschaften" genannt, fortsetzte. Ab 1518 lehrte er wieder an der Ordenshochschule in Basel und von 1521 bis 1529 in Heidelberg, wo ihn Kurfürst Ludwig V. dann 1524 als Professor für Hebräisch an die Universität Heidelberg berief. 1529 trat er aus dem Franziskanerorden aus und folgte einem Ruf an die Universität Basel. Dort geriet er in die Religionskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten und konvertierte schließlich zum Protestantismus. 1530 heiratete er Anna Selber, die Witwe des Basler Buchdruckers Adam Petri , in dessen Offizin - unter Leitung seines Stiefsohnes Heinrich Petri - sein Hauptwerk, die Cosmographia , später gedruckt werden sollte. 1532 wird seine Tochter Aretia geboren.

Sein Hauptwerk, die weit verbreitete und in viele Sprachen übersetzte Cosmographia , hat Sebastian Münster im Jahr 1544 vorlegen können; es war bei Heinrich Petri in Basel gedruckt und verlegt worden. Zunächst trugen alle Ausgaben von 1544 bis 1548 und von 1615 bis 1628 den lateinischen Haupttitel Cosmographia , während für die Ausgaben von 1550 bis 1614 der deutsche Titel Cosmographei oder Cosmographey benutzt wurde. Die ersten Anregungen zu diesem Werk erhielt Münster bereits 1524 von dem elsässischen Humanisten Beatus Rhenanus . In seiner Vorrede zur Cosmographia betonte Münster, dass er in sechs Büchern "eine Beschreibung der ganzen Welt mit allem, was darinnen ist", geben wolle. Tatsächlich bietet das Werk die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften sowie Landes- und Volkskunde nach dem damaligen Wissensstand. Damit legte Münster die erste wissenschaftliche und zugleich allgemeinverständliche Weltbeschreibung in deutscher Sprache vor, an der er mit mehr als 120 "Standespersonen, Gelehrten und Künstlern" in einer Vorbereitungszeit von etwa zwanzig Jahren gearbeitet hatte. Am Ende des Werkes bittet der Verfasser den Leser, wegen etwa vorkommender Fehler oder abweichender Meinungen nicht das ganze Werk abzulehnen, sondern zu bedenken, dass es unmöglich sei, jedermann zu Gefallen zu schreiben. (Wikipedia)