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Münster , Sebastian: Von der Eyfel / Eyfalia (1588)

 

Original Holzschnitt mit kräftigem, altem Flächenkolorit nach Angaben des Trierer Arztes Simon Rischwin aus der " Cosmographie " von Sebastian Münster, verlegt von Heinrich Petri (um 1588).

Vgl. Hantzsch CVIII.

Die hier vorliegende frühe Darstellung der Eifel zeigt den Rheinlauf von Ingelheim bis Düsseldorf mit dem Hunsrück, Eifel und angrenzenden Gebieten. Die Karte ist "gesüdet", sie wird oben durch die Nahe begrenzt, links durch den Rhein und unten durch die Maas.

Über der Darstellung der Titel "Von dem Teuschen Landt / Von der Eyfel"

Im Kartenbild: " Eyfalia" .

Ein Riesenfisch im Ulmener Maar ("Ulmu lacus in quo piscis magnus spectatus aliquando") und ein öffentliches Bad in Bad Bertrich ("Bertricu thermae") werden in der Karte ausdrücklich erwähnt. Weitere Angaben dazu auf der Rückseite der Karte.

Deutsche Fassung nach Cosmographey, Basel 1550, S.604 und 606, nach Meurer.

"Wiewol diß ein trefflich, rwch [!] und birgig land ist, stossend an den Hunesruck und an das Lützelburger land, hat es doch gott nit onbegabet gelassen, der dann einem ieden land etwas gibt, darvon sich die ynwoner mögen betragen und erneren. Zu Bertrig ist ein warm bad, den krancken heilsam, ligt anderhalb meil von der Mosel. Onferr von der Graveschafft Manderßheit in den herrschafften Keila, Cronenberg und Sleida im thal Hellental macht man fürbündig gut schmid eisen, man geußt auch eysenn öfen, die ins Oberland, als Schwaben und Francken verkaufft werden. Item zwen namhafftiger seen seind in der Eyfel, einer bei dem schloß Ulmen, und ein ander bey dem closter zum Laich, die seind seer tieff, haben kein ynfluß aber vil außflüß, die nennet man Marh und seind fischreich. In dem zu Laich findt man stein, grün, gel und rotfarb gleich den bösen Smaragden und Hyacincten. Im Marh zu Ulmen ist ein fisch wie den vil gesehen habenn, auf dreissig schuch lang, und ein ander uff 12 schuch lang, die haben Hecht gestalt. Und so sie sich lassen sehen, stirbt gewißlich ein gan erb des hauses Ulmen, es sey man oder frauw, ist offt bewert und erfaren worden. Dise Marh ligen gemeinlich auff hohen bergen. Man hat das zu Ulmen wöllen ersuchen in seiner tiffe, und nach dem man das blei 300 clafftern tieff hinab gelassen hat, hat man kein grund mögen finden. In der rechten Eyfeln ist ein rwher boden von wälden, und do wenig mere dann habern wechßt, aber gegen dem Rhein und gegen der Mosel ist es fruchtbar. Umb die statt Mäyen die Trierisch ist, erzeigen sich gut sylber Bergwerck, werdenn aber durch ongeschicklichkeit der bauwren verwarloset und kommen in abgang. Der herrschafft halb so in der Eyfel ist, soltu wissen das sie fast halber Lützelburgisch und Trierisch ist, doch der merer theil Lützelburgisch. Darin wonen die Grave von Arburg, Firnenberg, Manderßheit, item Freyherren von Ryfferßheit, die herren von Rulingen, die herren von Rineck. Die graveschafft von Vianden hat der grave von Nassaw zu Dillenburg. Darin ligt die statt S. Veit und die statt Bastenach die doch Lützelburgisch ist. Der Eyffler hantierung ist fast mit rind viech, honig und wachs. Das vieh kompt fast auß dem land bey Bastenach, heißt das Oeßling und der groß wald genant Ardenner wald, darin S. Ruprecht das groß closter ligt. Es schreibt von disem land doctor Simon Richwein, der es wol durchfaren und besichtiget hat also. Diß land ist von natur ongeschlacht, rwch von bergen und tälern, kalt und mit ongestümen regen vil überschütt, aber wässer und bronnen halb gar lustig. Die ynwoner seind gar arbeitsam, haben sinnreiche köpff wo sie geübt werden, aber sie hangen an dem ackerbaw und warten des viechs. Es hat diß land gar wyß viech und vil milch und molcken. Es hat mer fisch dann wilpret, bringt auch frucht für sich gnug, ußgenommen do es so gar rwch ist bringt es zimlich habern aber wenig anderer fruchten. Umb Manderscheid und Gerardstein möcht es zu sommer Zeiten verglichen werden Italic seiner summer früchten halb, dann es bringt Melonen, cucumern, krausen Lattich und der gleichen welschen früchten. In der herschafften Sleida, Cronenberg und Kieln seind eysen ertz, do man die ysen öfen auß geüßt. "

Anmerkung: Auffällige Unterschiede zu der früheren Karte von etwa 1550: Katzenelnbogen, Simmern und Lüttich sind bezeichnet; die Benennung des Klosters Stuben (bei Cochem an der Mosel) fehlt.

Vgl.
Hantzsch, Viktor: Sebastian Münster – Leben, Werk, wissenschaftliche Bedeutung . Leipzig 1898 PDF
Fritz Hellwig und Kristine Werner: Mittelrhein und Moselland im Bild alter Karten. Katalog zur Ausstellung des Landeshauptarchivs Koblenz 1985. Koblenz, Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 1985, Nr. 7
Niewodniczanski, Thomas, Ausstellungskatalog Imago Germaniae, Deutschland und die Eifel in Karten aus sechs Jahrhunderten : aus der Collection Niewodniczanski ; Katalog zur Ausstellung in der Kreissparkasse Prüm vom 29.03. - 30.04.1998 , S. 31 Nr. 63
Solchenbach, Karl: Wie genau sind alte Landkarten der Eifel? In: Heimatkalender / Landkreis Bitburg-Prüm. - 2003, S. 56-62.
Stadt Ingelheim (Hrg.): Sebastian Münster. Katalog zur Ausstellung aus Anlaß des 500. Geburtstages am 20. Januar 1988 im Museum – Altes Rathaus Ingelheim am Rhein. 
Karol Buczek, Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der "Kosmographie" von Sebastian Münster; In: Imago Mundi, Vol. 1. (1935), pp. 35-40.

Eine ausführliche Besprechung der Karte findet man bei
MEURER, Peter H., Sebastian Münsters Karte der Eifel in quellenkundlicher Sicht, in: Friedhelm BURGARD u.a. (Hrsg), Liber Amicorum necnon et amicarum für Alfred Heit. Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte und geschichtlichen Landeskunde (Trierer Historische Forschungen 28), Trier 1996, S. 517-526
Meurer, Peter H: Der kurtrierische Beitrag zum Kosmographie-Projekt Sebastian Münsters. In: Kurtrierisches Jahrbuch. - 35 (1995), S. 189-225
Schwarz, Uwe: Köln und sein Umland in alten Karten. Von der Eifel- zur Generalstabskarte (1550 bis 1897),
S. 22-23 und 104

Eine vollständige Ausgabe (1552) der Cosmographie von Sebastian Münster findet man bei der Biblioteca Nacional Digital (Portugal) im JPG- und PDF-Format
http://purl.pt/13845 . (Siehe dort S. 495)
Eine vollständige, digitalisierte Ausgabe (deutsch - 1550) der Cosmographei von Sebastian Münster findet man beim Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Köln (Siehe dort S. 605)
Eine vollständige Ausgabe (deutsch - 1628) der Cosmographia von Sebastian Münster findet man bei der Herzogin Anna Amaalia Bibliothek, Weimar

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Münster, Sebastian; Rischwin, Simon

Maßstab : [Ca. 1:1.000.000]

Erschienen: [Basel] : [Petri, Heinrich], [ab 1550]

Anmerkungen : Original Holzschnitt

Größe der Abbildung : 16 x 25 cm

Größe des Blattes: 22 x 36 cm

Zustand : gut

 

 

 

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Sebastian Münster wurde am 20. Januar 1488 in Ingelheim am Rhein geboren; als sein Vater wird Andreas (Endres) Münster genannt, damals Spitalmeister des dortigen Heiliggeist-Spitals. Nach dem Studium an der Ordenshochschule der Franziskaner in Heidelberg trat er 1505 mit 17 Jahren dem Franziskanerorden bei. Die Ordensoberen schickten den außergewöhnlich sprachbegabten Studenten 1507 zunächst nach Löwen und Freiburg im Breisgau . Während des etwa einjährigen Studienaufenthalts in Freiburg begeisterte ihn sein Lehrer Gregor Reisch , Prior der dortigen Kartause, vor allem für Hebräisch und Geographie . 1509 ging Münster nach Rouffach , wo er Schüler von Konrad Pelikan wurde und sich in Griechisch, Hebräisch, Mathematik , Astronomie und Geographie weiterbildete. Dabei studierte er die Naturwissenschaften bereits nach der Enzyklopädie Margarita Philosophica des Gregor Reisch. Auch die Lektüre „De chorographia“ von Pomponius Mela (1. Jahrhundert) beeinflusste Münster nachhaltig. 1511 folgte er seinem Lehrmeister Pelikan an die Universität Basel und später nach Pforzheim, wo er 1512 zum Priester geweiht wurde. Münster und Pelikan erweiterten ihre Studien auf andere semitische Sprachen, vor allem auf das Aramäische und das Äthiopische . Von 1514 bis 1518 war Münster als Lektor an der Ordenshochschule der Franziskaner in Tübingen tätig, wo er auch seine astrologischen Studien bei dem berühmten Astronom Johannes Stöffler , "Vater der Wissenschaften" genannt, fortsetzte. Ab 1518 lehrte er wieder an der Ordenshochschule in Basel und von 1521 bis 1529 in Heidelberg, wo ihn Kurfürst Ludwig V. dann 1524 als Professor für Hebräisch an die Universität Heidelberg berief. 1529 trat er aus dem Franziskanerorden aus und folgte einem Ruf an die Universität Basel. Dort geriet er in die Religionskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten und konvertierte schließlich zum Protestantismus. 1530 heiratete er Anna Selber, die Witwe des Basler Buchdruckers Adam Petri , in dessen Offizin - unter Leitung seines Stiefsohnes Heinrich Petri - sein Hauptwerk, die Cosmographia , später gedruckt werden sollte. 1532 wird seine Tochter Aretia geboren.

Sein Hauptwerk, die weit verbreitete und in viele Sprachen übersetzte Cosmographia , hat Sebastian Münster im Jahr 1544 vorlegen können; es war bei Heinrich Petri in Basel gedruckt und verlegt worden. Zunächst trugen alle Ausgaben von 1544 bis 1548 und von 1615 bis 1628 den lateinischen Haupttitel Cosmographia , während für die Ausgaben von 1550 bis 1614 der deutsche Titel Cosmographei oder Cosmographey benutzt wurde. Die ersten Anregungen zu diesem Werk erhielt Münster bereits 1524 von dem elsässischen Humanisten Beatus Rhenanus . In seiner Vorrede zur Cosmographia betonte Münster, dass er in sechs Büchern "eine Beschreibung der ganzen Welt mit allem, was darinnen ist", geben wolle. Tatsächlich bietet das Werk die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften sowie Landes- und Volkskunde nach dem damaligen Wissensstand. Damit legte Münster die erste wissenschaftliche und zugleich allgemeinverständliche Weltbeschreibung in deutscher Sprache vor, an der er mit mehr als 120 "Standespersonen, Gelehrten und Künstlern" in einer Vorbereitungszeit von etwa zwanzig Jahren gearbeitet hatte. Am Ende des Werkes bittet der Verfasser den Leser, wegen etwa vorkommender Fehler oder abweichender Meinungen nicht das ganze Werk abzulehnen, sondern zu bedenken, dass es unmöglich sei, jedermann zu Gefallen zu schreiben. (Wikipedia)