Quad, Matthias / Bussemacher, Johann : ALSATIA INFERIOR = Under-Elsas (1608)

 

Original Kupferstich nach Daniel Specklin, erschienen in FASCICULUS GEOGRAPHICUS von Matthias Quad, verlegt von Johann Bussemacher in Köln im Jahre 1608.

Die westorientierte Karte zeigt den Rheinlauf von Ottenheim bis Leimersheim mit Elsass und Schwarzwald. Das Gebiet wird begrenzt durch Landau im Norden (rechts auf der Karte), Baden-Baden (Osten), Ottenheim (Süden) und Dachsburg (Westen).

Oben rechts Titelkartusche "ALSATIA INFERIOR = Under-Elsas".

Darunter Meilenanzeiger (Milliaria Germanica klein, mittel, groß).

In der rechten unteren Kartenecke das Monogramm von Matthias Quad "Q".

Unter der Karte Legende in sechs Zeilen. Unten rechts Hinweis auf den Kartografen "Autore ... Daniele Specchelio".

Auf der Rückseite erläuternder Text in deutscher Sprache "Under-Elsaß".

Bedeutende frühe Karte des nördlichen Elsass und der Südpfalz.

Vgl.
Wiepen, E., Matthias Quad von Kinckelbach und sein Buch ,Teutscher Nation Herligkeitt'. Ein Beitrag zur Kölner Gelehrten- und Kunstgeschichte. In: Rheinische Geschichtsblätter : Zeitschr. für Geschichte, Sprache u. Altertümer des Mittel- u. Niederrheins, Zweiter Jahrgang (1895-1896), No. 1, S. 10 - 27 weiter

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Specklin, Daniel ; Quad, Matthias *1557-1613* ; Bussemacher, Johann

Maßstab : [Ca. 1:430.000]

Erschienen: [Köln] : [Johann Bussemacher], [1608]

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 19,5 x 27 cm

Größe des Blattes: 25,5 x 34 cm

Zustand : sehr gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Daniel Specklin (* 1536 in Straßburg; † 18. Oktober 1589 in Straßburg) / auch "Speckle", bisweilen auch "Speckel"

war ein elsässischer Festungsbaumeister, Ingenieur und Kartograph. Sohn des Formschneiders Veit Rudolf Specklin, der u.a. für das berühmte "Kräuterbuch" von Leonhard Fuchs gearbeitet hatte.
Specklin lernte zunächst den Beruf des Seidenstickers, ein gutgehendes Handwerk, das nicht nur Stickerei mit Gold- und Silberfäden umfasste, sondern auch Entwürfe und Zeichnungen für dieselben verlangte. Seine Lehrzeit beendete er 1552 als Sechzehnjähriger, danach folgten die üblichen Wanderjahre. 1554 war er in Ungarn, wo er den Festungsbau in Komorn kennen lernte und offenbar begann, sich in diesem Metier zu betätigen. 1555 ist er beim Neubau der Befestigungen in Wien dabei. Er machte schnell Fortschritte in seinem neuen Beruf und wurde in Wien Bauführer und hatte eigenen Baustellen zu betreuen. 1560 finden wir ihn in Antwerpen, dann wieder in Wien, 1564 kehrte er nach Straßburg zurück. Dort arbeitete er auf seinem alten Handwerk als Seidensticker, eignete sich aber auch Kenntnisse in Kartographie an und versuchte sich in einem Plan der Stadt Straßburg, danach war er wieder auf Reisen, u.a. nach Düsseldorf, Regensburg und Ungarn. 1573 erhielt er vom österreichischen Erzherzog Ferdinand den Auftrag einer kartographischen Aufnahme des gesamten Elsass, die Arbeiten daran beschäftigten ihn bis 1576, die große, auf drei Platten gedruckte Karte erschien dann 1577 (gestochen von Franz Hogenberg). Noch im Jahr 1576 brach er im Auftrag des bayerischen Herzogs Albrecht V. (Bayern) nach Ingolstadt auf, um die dortigen Festungsanlagen zu erneuern, 1577 weilt er zu ähnlichen Zwecken in Ulm. Im selben Jahr, am 5. Oktober 1577, wird er dann zum Stadtbaumeister seiner Heimatstadt ernannt.

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Johann Bussemacher (1580-1613),

ein gelernter Kupferstecher aus Düsseldorf, ist um und nach 1600 der bedeutendste Kupferdrucker in Köln. Er hat in seiner Werkstatt eine Kupferpresse, um die in Auftrag gegebenen Kupferstiche darauf herzustellen.

Matthias Quad (1557-1613)

wurde in Deventer geboren. Sein Vater stammte aus Kinckelbach, weshalb er seine ersten Veröffentlichungen mit Matthias Quad von Kinckelbach zeichnete. Er erlernte nach einigen Wanderjahren das Kupferstecherhandwerk in Deventer. 1587 zog er nach Köln, um dort für die Offizin von Frans Hogenberg tätig zu werden; auch den Buch- und Kunstdrucker Johann Bussemacher lernte er hier kennen.
Er hat Bussemacher mit der Ausführung vieler seiner Arbeiten beauftragt. Dieser hat Quad die Anregung gegeben, einen kleinformatigen Handatlas nach dem niederländischen Vorbild der großformatigen Atlanten herzustellen. Der komplette Europaatlas erscheint 1594 im Verlag von Bussemacher. Den landeskundlichen Text der Karten auf der Rückseite hat Quad verfasst. 1600 erscheint das „Geographisch Handtbuch" von Quad ebenfalls bei Bussemacher in Köln. Es enthält 82 Karten mit meist lateinischem Titel, die Beschreibungen dazu sind auf der Vorder- und Rückseite in deutscher Sprache abgedruckt. Deshalb gilt das Werk als erster deutscher Atlas in Buchformat. 36 der 82 Karten sind von Quad selbst gestochen worden.
Die darin enthaltene Elsasskarte erschien erneut 1608 im "FASCICULUS GEOGRAPHICUS".

Aus religiösen Gründen mußte Quad 1604 Köln verlassen und arbeitete anschließend als Rektor an der Lateinschule in Weinheim a. d. Bergstraße und in Eppingen, wo er 1613 verstarb.