Münster , Sebastian: Paris. Die Statt Paris etlicher maß figuriert und contrafehtet nach ietziger Gelegenheit (1570)

 

Original Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus der " Cosmographie " von Sebastian Münster, verlegt von Sebastianus Henricpetri (um 1570).

Frühe Vogelschaukarte der Stadt Paris . Die Karte ist umgeben von reicher Holzschnittbordüre in Renaissancedekor.

Über der Ansicht Titelkopfleiste "Die Statt Paris etlicher maß figuriert und contrafehtet nach ietziger Gelegenheit"; darunter mittig Kartusche mit zusätzlichem Ansichtentitel "Paris"; unter der Ansicht Legende zu bedeutenden Orten und Gebäuden in 4 Spalten.

Oben links das von zwei Engeln gehaltene, gekrönte Wappen (drei Lilien) des Königreichs Frankreich (wie auch das der Île-de-France). Oben rechts das von einem Engel gehaltene Wappen der Stadt Paris (Schiff auf der Seine). Man beachte u.a. auch unten rechts am Bildrand den Galgen. Dieses Motiv ist oft bei Münster zu finden.

Zählung oben links: c. - Zählung oben rechts: cj. -Zählung unten rechts: H iij

Mit Erl. auf der Rücks.: "Die Statt Paris".

Vgl.
Hantzsch, Viktor: Sebastian Münster – Leben, Werk, wissenschaftliche Bedeutung . Leipzig 1898 PDF
Karol Buczek, Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der "Kosmographie" von Sebastian Münster; In: Imago Mundi, Vol. 1. (1935), pp. 35-40
Stadt Ingelheim (Hrg.): Sebastian Münster. Katalog zur Ausstellung aus Anlaß des 500. Geburtstages am 20. Januar 1988 im Museum – Altes Rathaus Ingelheim am Rhein. 
Fead, Margaret Irene: Notes on the Development of the Cartographic Representation of Cities. In: Geographical Review, Vol. 23, No. 3. (Jul., 1933), pp. 441-456 (S.448)
Raleigh A. Skelton, Decorative Printed Maps of the 15th to 18th Centuries (London: Spring Books, 1952). / Plate 9
Fauser, Repertorium älterer Topographie. Druckgraphik von 1486 bis 1750, S. 591, Nr. 10591; Bachmann, Die Alten Städtebilder. Ein Verzeichnis der Graphischen Ortsansichten von Schedel bis Merian, Nr. 1627; Burmeister, Sebastian Münster Bibliographie, S. 70, Nr. 79

Eine vollständige Ausgabe (1552) der Cosmographie von Sebastian Münster findet man bei der Biblioteca Nacional Digital (Portugal) im JPG- und PDF-Format
http://purl.pt/13845
Eine vollständige, digitalisierte Ausgabe (deutsch - 1550) der Cosmographei von Sebastian Münster findet man beim Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Köln

 

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Münster, Sebastian *1488-1552* ; Henricpetri, Sebastian

Maßstab :

Erschienen: [Basel] : [Sebastianus Henricpetri], [ca. 1570]

Anmerkungen : Original Hozschnitt

Größe der Abbildung : 33 x 26 cm

Größe des Blattes: 42 x 34,5 cm

Zustand : gut (gleichmäßig gebräunt)

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Sebastian Münster wurde am 20. Januar 1488 in Ingelheim am Rhein geboren; als sein Vater wird Andreas (Endres) Münster genannt, damals Spitalmeister des dortigen Heiliggeist-Spitals. Nach dem Studium an der Ordenshochschule der Franziskaner in Heidelberg trat er 1505 mit 17 Jahren dem Franziskanerorden bei. Die Ordensoberen schickten den außergewöhnlich sprachbegabten Studenten 1507 zunächst nach Löwen und Freiburg im Breisgau . Während des etwa einjährigen Studienaufenthalts in Freiburg begeisterte ihn sein Lehrer Gregor Reisch , Prior der dortigen Kartause, vor allem für Hebräisch und Geographie . 1509 ging Münster nach Rouffach , wo er Schüler von Konrad Pelikan wurde und sich in Griechisch, Hebräisch, Mathematik , Astronomie und Geographie weiterbildete. Dabei studierte er die Naturwissenschaften bereits nach der Enzyklopädie Margarita Philosophica des Gregor Reisch. Auch die Lektüre „De chorographia“ von Pomponius Mela (1. Jahrhundert) beeinflusste Münster nachhaltig. 1511 folgte er seinem Lehrmeister Pelikan an die Universität Basel und später nach Pforzheim, wo er 1512 zum Priester geweiht wurde. Münster und Pelikan erweiterten ihre Studien auf andere semitische Sprachen, vor allem auf das Aramäische und das Äthiopische . Von 1514 bis 1518 war Münster als Lektor an der Ordenshochschule der Franziskaner in Tübingen tätig, wo er auch seine astrologischen Studien bei dem berühmten Astronom Johannes Stöffler , "Vater der Wissenschaften" genannt, fortsetzte. Ab 1518 lehrte er wieder an der Ordenshochschule in Basel und von 1521 bis 1529 in Heidelberg, wo ihn Kurfürst Ludwig V. dann 1524 als Professor für Hebräisch an die Universität Heidelberg berief. 1529 trat er aus dem Franziskanerorden aus und folgte einem Ruf an die Universität Basel. Dort geriet er in die Religionskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten und konvertierte schließlich zum Protestantismus. 1530 heiratete er Anna Selber, die Witwe des Basler Buchdruckers Adam Petri , in dessen Offizin - unter Leitung seines Stiefsohnes Heinrich Petri - sein Hauptwerk, die Cosmographia , später gedruckt werden sollte. 1532 wird seine Tochter Aretia geboren.

Sein Hauptwerk, die weit verbreitete und in viele Sprachen übersetzte Cosmographia , hat Sebastian Münster im Jahr 1544 vorlegen können; es war bei Heinrich Petri in Basel gedruckt und verlegt worden. Zunächst trugen alle Ausgaben von 1544 bis 1548 und von 1615 bis 1628 den lateinischen Haupttitel Cosmographia , während für die Ausgaben von 1550 bis 1614 der deutsche Titel Cosmographei oder Cosmographey benutzt wurde. Die ersten Anregungen zu diesem Werk erhielt Münster bereits 1524 von dem elsässischen Humanisten Beatus Rhenanus . In seiner Vorrede zur Cosmographia betonte Münster, dass er in sechs Büchern "eine Beschreibung der ganzen Welt mit allem, was darinnen ist", geben wolle. Tatsächlich bietet das Werk die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften sowie Landes- und Volkskunde nach dem damaligen Wissensstand. Damit legte Münster die erste wissenschaftliche und zugleich allgemeinverständliche Weltbeschreibung in deutscher Sprache vor, an der er mit mehr als 120 "Standespersonen, Gelehrten und Künstlern" in einer Vorbereitungszeit von etwa zwanzig Jahren gearbeitet hatte. Am Ende des Werkes bittet der Verfasser den Leser, wegen etwa vorkommender Fehler oder abweichender Meinungen nicht das ganze Werk abzulehnen, sondern zu bedenken, dass es unmöglich sei, jedermann zu Gefallen zu schreiben. (Wikipedia)