Jaillot / Sengre : LA HAUTE ALSACE DIVISEE en BALLIAGES et SEIGNEURIES (1695)

 

Original Kupferstich aus dem „Oberrheinischen Kriegstheatrum" von Henri Sengre, verlegt bei Alexis-Hubert Jaillot im Jahre 1695.

Bedeutende Karte des Rheinlaufs von Burkheim am Kaiserstuhl bis Schaffhausen.

Das dargestellte Gebiet wird begrenzt durch Fénétrange an der Mosel (NW), Vaihingen (NO), Rosenfeld am Heuberg (SO) und Kaysersberg im Elsass [bei Colmar] (SW). Im Zentrum Strasburg.

Hellwig / Reiniger / Stopp würdigen die Karten des „Kriegstheaters" des Henri Sengre wie folgt:

"Die bedeutendste Karte für die Länder zwischen Mosel und Rhein aus dieser Zeit ist zunächst unabhängig von Jaillot entstanden. Es ist die schon erwähnte Karte von Sengre, eine Gruppe von acht Kartenblättern, die zusammengesetzt das Gebiet zwischen Wasserbillig-Charmes im Westen und Neckargemünd-Schaffhausen im Osten, von Bonn im Norden bis Aarau im Süden behandelt. Die Karte, von der ein Titel der Gesamtkarte nicht bekannt ist, wird als „Oberrheinisches Kriegstheatrum" bezeichnet. Erschienen ist sie in jeweils vier zweiblättrigen Karten, die eigene Titel haben, gedruckt von ungleich großen Platten; die Streifen messen durchschnittlich 400x850 mm, die linke Platte ca. 400x285 mm, die rechte ca. 400x565 mm. So ergibt sich bei Fortfall der auf den oberen Rändern gestochenen Titel eine Gesamtgröße von etwa 1580x850 mm. Die Titel der Teilkarten lauten (vereinfacht von oben nach unten):
- „Partie des Estats des Cercles des quatre Electeurs et du Haut Rhin... Treves... Mayence... Cologne .. Wetteravie, Hesse/Darmstatt ...".
- „Estats entre la Nied, la Sare et le Rhin ou sont la Lorraine Allemande, de Duche de Deux-Ponts, les Comtes de Bitsche, de Spanheim, et de Linange, Partie du Palatinat meridional...".
- „Les Frontieres de la Lorraine, ou sont Epinal, St. Diez, Luneville, Marsal, Vic, La Basse Alsace ..."
- „Les Frontieres de la Lorraine et du Comte de Bourgogne, la Haute Alsace ..."
Überall nennt sich der Verfasser: Henri Sengre, Sekretär und Geograph von Monseigneur le Prince, d. i. des Herzogs von Conde, und überall steht der Zusatz „levé sur les lieux pendant les guerres". Der Maßstab beträgt ca. 1:240.000. Über das Datum der Veröffentlichung besteht nicht volle Klarheit. Sicher dürfte nur sein, dass die Veröffentlichung zunächst durch den Verfasser im Eigenverlag begann und 1692 an Jaillot überging. Dieser veranstaltete einen weiteren Abdruck der Gesamtkarte 1705. Wesentliche Teile des Sengre'schen Kartenwerks müssen aber schon erheblich früher fertig gewesen sein. Erste kartographische Arbeiten von ihm fallen in die Jahre von 1675-1680.
Über den Verfasser Henri Sengre ist außer seinen Karten fast nichts bekannt. Jean Baptiste Liebaux nennt ihn auf dem Titelblatt seiner „Nouvelle Carte tres utile pour les Gens de Guerre" 77 als „Henri Sangher de Worms". Er wird zu den Militärkartographen seiner Zeit gezählt, stand seit 1667 im persönlichen Dienst des Duc de Bourbon, des Großen Conde, gehörte damit aber wohl nicht dem „Corps des Ingenieurs Geographes" an. Die Veröffentlichung seiner in den Feldzügen an Ort und Stelle im Gefolge eines Heerführers gesammelten Aufzeichnungen und Messungen dürfte erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand möglich gewesen sein. So ergibt sich als Zeitraum seiner Arbeit auf den Kriegsschauplätzen vor allem der zweite Eroberungskrieg Ludwigs XIV. (1672-1679).
Die Karte vom Oberrheinischen Kriegstheater wirkt zunächst trocken, sie ist völlig schmucklos, beeindruckt aber durch die Fülle ihrer Informationen und die durchaus geschickte Anordnung dieser Fülle. Längen- und Breitengrade sind angegeben. Zu dem sehr detaillierten Netz von Gewässern und Grenzen treten die wichtigsten Straßen hinzu, die Markierung aller befestigten Plätze und eine bisher nicht zu beobachtende Dichte der Siedlungen, deren Namen in sorgfältiger Rechtschreibung wiedergegeben werden.
Unzulänglich ist allerdings nach wie vor die Darstellung der Geländeformen. Die Gebirge werden in Maulwurfshügelmanier angedeutet, doch ergibt diese Zeichnung zusammen mit den zur Darstellung kommenden Waldflächen durchaus ein plastisches Bild. Die Bemühungen um eine genauere Rechtschreibung vor allem bei den Namen im deutschsprachigen Raum fallen gegenüber den Schwierigkeiten der gleichzeitigen französischen Kartographen auf; hier scheint sich die Herkunft von Sengre (= Sänger?) aus dem Rheinland zu bestätigen.
Obgleich die Sengre-Karten mit der Angabe der Längen- und Breitengrade die mathematische Grundlage erkennen lassen, bedarf diese doch noch weiterer Untersuchungen. Auch hier scheint die Arbeitsweise so gewesen zu sein, daß in ein vorgegebenes, auf astronomischen Messungen beruhendes Netz von Hauptorten älteres Material „eingepaßt" wurde. So kommt es zu unterschiedlicher Genauigkeit wichtiger Linienführung im Aufbau des Gewässernetzes.
Die Karte von Sengre übte eine große Wirkung aus, selbst wenn sie in ihrer Originalgestalt auch durch Jaillot offenbar keine große Verbreitung fand. Daß sie für die großen Karten von Jaillot mit benutzt wurde, ist schon gesagt worden. Unmittelbar inspirierte sie den kaiserlichen Militärkartographen Cyriacus Blödner, der bei der Reichsarmee am Oberrhein arbeitete. Er schuf das „Theatrum Belli Rhenani 1702-1713", das im Norden, Westen und Süden zwar weniger weit als die Karte von Sengre reicht, im Osten aber noch Mainfranken, einen großen Teil Württembergs und den Bodensee einbezieht. "

Titelleiste über der Karte "LES FRONTIERES DE LORRAINE, et DE LA COMTE DE BOURGOGNE LA HAUTE ALSACE DIVISEE en BALLIAGES et SEIGNEURIES, tant de ça que de la le Rhin ou sont le SUNTGAW le BREISGAW les quatre VILLES FORESTIERES Partie des Montagnes de Vosges les Estats du Comté de Montbeliard les Montagnes Noires Meridionales et Partie de la Souabe et des Suisses : Avec Privilege du Roy / levé sur les lieux pendant les Guerres par HENRY SENGRE Secre. et Geoghe. de S.A.S. MONSEIGR. le PRINCE".

Verlegervermerk unten links; Hinweis auf das Privileg unten rechts "Avec privilége du Roy 1695".

Meilenanzeiger oben rechts (Heure de 3000 pas Geo.) sowie Maßstab in verbaler Form (Moyennes lieües de France, Grandes lieües d'Allemagne) am rechten Rand.

Vgl.
Hellwig, Fritz; Wolfgang Reiniger; Klaus Stopp: Landkarten der Pfalz am Rhein. 1513 - 1803. Katalog der gedruckten Karten mit einer kartenhistorischen Einführung. Bad Kreuznach Wolfgang Reiniger 1984, S. 27 ff
Neumann, Joachim und Musall, Heinz (Hrsg.) , Karte der Oberrheinlande von Henri Sengre 1692. In: Rhenus Superior et Germania, Die Oberrheinlande in bedeutenden Deutschland- und Regionalkarten aus der Collection Niewodniczanski, S.. Katalog zur Ausstellung in der Badischen Beamtenbank eG Karlsruhe, Herrenstraße 2-10, vom 4.1. bis 3.12.1999
Grenacher, Franz: Current Knowledge of Alsatian Cartography. In: Imago Mundi, Vol. 18. (1964), pp. 60-77

Stopp, Klaus / Langel, Herbert: Katalog der alten Landkarten in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe : unter Einbeziehung gedruckter Karten im Generallandesarchiv Karlsruhe , 1974, S. 137 (GLA, Ad 2,1 schw.)
Mireille Pastoureau, Les Atlas Imprimés en France avant 1700. In: Imago Mundi, Vol. 32. (1980), pp. 45-72.

 

Angaben zur Landkarte im Überblick:

Verleger / Kupferstecher: Sengre, Henri ; Jaillot, Alexis Hubert *1632-1712*

Maßstab : [Ca. 1:240.000]

Erschienen: A Paris, Chez le Sr. Jaillot Geographe du Roy / joignant les grands Augustins, aux 2 Globes / avec privilége du Roy 1695

Anmerkungen : Original Kupferstich

Größe der Abbildung : 55,5 x 40,5 cm

Größe des Blattes: 79 x 55,5 cm

Zustand : sehr gut

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Vergrößerung - Rückseite - Darstellung in höherer Auflösung

Ausschnitt Westen -------------------------------------- Ausschnitt Osten

Angaben zum Kupferstecher / Verleger:

Alexis Hubert Jaillot, ( * 1632 in Avignon, + 1712 in Paris), Königlicher Geograph und Kupferstecher

Jaillot folgte im Jahre 1657 seinem älteren Bruder Piere Simon nach Paris. Seit 1664 war er dort Schüler an der Akademie St. Lukas. 1665 war er bereits „sculpteur du roi“. Nach der Eheschließung mit der Tochter des hauptsächlich Landkarten kolorierenden und vertreibenden Kupferstichhändlers Nicolas Berey widmete er sich ausschließlich der Geographie und dem Kartenstechen. Seit 1678 durfte er sich „sculpteur et géograph ordinaire du roi“ nennen. In den Jahren 1668 bis 1699 gab er die nach Zeichnungen der Sansons (Vater und Söhne) hergestellten „Quatre parties du monde“ heraus. 1681 erschien der „Atlas nouveau“, später erweitert als „Atlas francais“ (2 Bände), der Ludwig IX. gewidmet war. Ferner veröffentlichte er das Seekartenwerk „Le Neptune Francais ...“, 1693.

Seine Karten wurden als besonders schön, genau und handlich sehr geschätzt.

(Hans Harms)